Holzbrücke für Radwanderer an symbolträchtiger Stätte

Was im September 1944 der zerstörerischen Kraft des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel, wurde gestern neu errichtet. Die Rede ist von der früheren Brücke über die Our zwischen den Grenzweilern Auel auf belgischer und Hemmeres auf deutscher Seite.

Die symbolträchtige, da Länder verbindende, Holzbrücke ist ein wichtiger Baustein des Radwanderweges auf der stillgelegten Bahnlinie St.Vith-Lommersweiler-Reuland und soll pünktlich für die RTBF-Großveranstaltung »Le Beau Vélo de Ravel« am 5. Juli in der Gemeinde Burg-Reuland befahrbar sein.

Leimbinder

Etliche Schaulustige hatten gestern den Weg ins wunderschöne Ourtal gefunden und brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. Die ausführenden Arbeiter (Generalunternehmen ist da Fa. Gebrüder Gillessen aus Maldingen) wurden nämlich vor eine logistische und technische Herausforderung gestellt. Die Planung des Projektes oblag den Architekten Yves Weynand und Leo Michaelis.

 

 

Die aus drei Bauteilen bestehenden Leimbinder-Elemente der Brücke wurden vor Ort durch einen Kran der Firma Sarens aus Antwerpen über die Our gehievt und zusammengesetzt. Die Elemente im U-Profil waren von der Firma Woodlam aus Marche-en-Famenne vorgefertigt und anschließend per Schwertransport über Winterspelt und Hemmeres zur Baustelle transportiert worden.

Da die beiden Sandsteinsockel der früheren Dreibogenbrücke noch in gutem Zustand waren (lediglich einige Ecken musste durch die Fa. Gillessen fachgerecht ausgebessert werden), konnten sie auch als Träger der neuen Holzbrücke genutzt werden, mussten allerdings mit neuen Betonsockeln verstärkt bzw. erhöht werden. Dank einer Höhe von fünf Metern kann eine Überflutung der Brücke selbst bei Hochwasser ausgeschlossen werden. Die zwei Meter breite Holzbrücke wird übrigens eine leicht gebogene Form haben, wobei ein Kabelzug unter der Brücke für die nötige Spannung sorgen und das Gewicht gleichmäßig auf die beiden Träger verteilen wird, was sich laut Architekt Leo Michaelis positiv auf die Stabilität des Bauwerks auswirken wird.

188 000 Euro

Ausschlaggebend für die Auswahl der Baustoffes Holz war die landschaftliche Einpflanzung der Brücke an der Nahtstelle der Naturparks Hohes Venn-Eifel und Nordeifel bzw. in der Natura-2000-Zone. Die Brücke wird von außen mit pflegeleichtem Lärchenholz bekleidet, das keine Anstriche benötigt. Demnach dürfte sich der Unterhalt der Brücke in Grenzen halten. Ihre Langlebigkeit schätzt Leo Michaelis auf 200 Jahre.

Problemlos verlief nach Angaben des Bauunternehmers Heinz Gillessen die Zusammenarbeit zwischen den Behörden auf belgischer und deutscher Seite. Völlig unbürokratisch wurden die erforderlichen Genehmigungen erteilt.

Die Gesamtkosten in Höhe von 188000 Euro werden größtenteils durch die Gemeinde Burg-Reuland getragen, abzüglich 30000 Euro EU-Interreg-Fördermittel und 10000 Euro der Gemeinde Winterspelt (D). Im Laufe der vergangenen Monate war das Bauprojekt mehrfach abgespeckt worden, um seine Finanzierung zu sichern bzw. für die beteiligten Partner verkraftbar zu machen.

Reulands Bürgermeister Joseph Maraite lobte unterdessen die beispielhafte Vorbereitung und Ausführung der Arbeiten durch die Projektplaner unter Unternehmer.(arco)