Kleines Kulturerbe

Das kleine Kulturerbe muss für die Nachwelt erhalten werden

Es ist noch viel Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung vonnöten


In Sachen Erhalt des kleinen Kulturerbes informierten in St.Vith-Wiesenbach u.a. Guido Thomé (Kabinett von Ministerin Isabelle Weykmans), Schöffe Roger Franssen (Gemeinde Lontzen), Rudolf Kremer, Präsident der Kgl. Archäologie-, Denkmal- und Landschaftsschutzkommission, Klaus-Dieter Klauser, Präsident des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel, und Dieter Gubbels (Ministerium), v.r.n.l.

Das kleine Kulturerbe auf dem Lande veranschaulicht eine lebendige Vergangenheit, das Brauchtum und das Sozialgefüge, es gehört zum Lebensumfeld und es schmückt die Dörfer: Deshalb sollte es unbedingt für die Nachwelt erhalten werden.

Treffend fasste der Präsident des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel (ZVS) St.Vith, Klaus-Dieter Klauser, bei einem Informationsabend der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in St.Vith/Wiesenbach dieses wichtige Anliegen, das Bestandteil der ländlichen Entwicklung ist, zusammen.

Denn genau wie ihr Vorgänger Hans Niessen will nämlich auch Ministerin Isabelle Weykmans die Pflege dieser baulichen Zeugen fördern, seien es Wegekreuze, Grabkreuze, Fußfälle, Kapellen, Steine, Nischen, Tore, Brückengeländer, Haustreppen, Viehtränken, Brunnen, Pumpen, Pfeiler‚ u.a.m.

Denkanstöße

Die Erfahrung hat aber gezeigt, so Kabinettsmitarbeiter Guido Thomé, dass in diesem Bereich noch viel Aufklärungsarbeit betrieben werden muss. Die Veranstaltung in Wiesenbach sollte denn auch Denkanstöße geben, zumal das kleine Kulturerbe vielfach nicht gebührend von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Tatsache ist ferner, dass vielerorts die Bewusstseinsbildung Not tut.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt 2003 in der Gemeinde Burg-Reuland wird seit 2004 auf der Grundlage zweier Rundschreiben der Regierung die finanzielle Förderung der Instandsetzung des kleinen Kulturerbes in der DG bewerkstelligt. Die Prämie beläuft sich pro Objekt auf höchstens 2500 Euro: Voraussetzung ist aber, dass es erstens in einem Denkmalregister (Auflistung der nicht unter Schutz gestellten Baudenkmäler) verzeichnet ist und zweitens in einer Ortschaft oder einer Gemeinde steht, in der ein kommunaler Prozess der Ländlichen Entwicklung oder ein Dorfwettbewerb läuft.

Rudolf Kremer, Präsident der Kgl. Archäologie-, Denkmal- und Landschaftsschutzkommission (KADLK), erläuterte ausführlich die Vorgehensweise. Wie wird ein Denkmalregister erstellt, so wie es übrigens schon in verschiedenen Ortschaften der Fall ist? Wie stelle ich den Antrag auf Beihilfen? In beiden Fällen sind die Ministeriumsverwaltung und die KADLK Partner und Berater der Ministerin, die entscheidet.

Unbürokratisch

»Es wird schnell und unbürokratisch vorgegangen«, versprach Rudolf Kremer. Ansprechparnter ist das Ministerium der DG, das auch die schriftliche Fassung der betreffenden Richtlinien bereithält.

Eine entscheidende Voraussetzung ist ferner das ehrenamtliche Engagement. Denn allein schon die Erfassung eines Denkmalregisters, das eine Auswahl der typischsten von möglicherweise hunderten Baudenkmälern einer Gemeinde oder Ortschaft darstellt, ist eine Heidenarbeit, wie Roger Franssen, Schöffe der Gemeinde Lontzen, erläuterte.

Übrigens können bei der Restaurierung des kleinen Kulturerbes wohlgemerkt auch andere Finanzquellen als nur die der DG angezapft werden: Denn vielfach bezahlen Privatleute die Maßnahmen aus eigener Kasse. Die Gemeinden unterstützen mitunter ebenfalls kräftig oder ergreifen selbst Initiativen. Seitens der Wallonischen Region hat es Sonderprogramme hierzu gegeben. Und anderswo helfen Stiftungen, Sponsoren und sonstige Institutionen aus.

Jedenfalls stellen beredte Beispiele aus den Gemeinden Burg-Reuland und Lontzen unter Beweis, dass mit wenig Geld durchaus hervorragende Sanierungs- und Gestaltungsprojekte durchgeführt werden können. Ausschlaggebend ist, so die Erfahrung, die »Initialzündung«, die sehr vieles bewirken kann.

Die Richtlinien zur Förderung der Pflege des kleinen Kulturerbes werden wohl nachgebessert werden

 

Nicht nur Geld, auch Eigeninitiative und Ehrenamtlichkeit

Bei der Ländlichen Entwicklung legen auch die Bürger selbst Hand mit an. Ein Beispiel: die Neugestaltung des Kirchenberings in Dürler

Die seit 2004 geltenden Richtlinien für die finanzielle Förderung des Erhalts des kleinen Kulturerbes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden wohl in absehbarer Zeit nachgebessert werden. Das bestätigte Ministerberater Guido Thomé in Wiesenbach auf einen Einwand des St.Vither Schöffen Lorenz Paasch. Dieser hatte bemängelt, dass eines der Kriterien zur Berücksichtigung für die finanziellen Beihilfen durch die DG, nämlich der oben genannte »kommunale Prozess der Ländlichen Entwicklung (LE)«, aus juristischer Sicht nicht haltbar sei, da ja die Wallonische Region entscheide, welche der Gemeinden, die einen Antrag gestellt haben, ins LE-Förderprogramm aufgenommen würden. Hier müsse flächendeckend und nicht selektiv vorgegangen werden, meinte Lorenz Paasch.

Belohnung

Guido Thomé und Rudolf Kremer bekräftigten, die Initiative sei in der Vergangenheit aus der offensichtlichen Notwendigkeit zur Aufwertung des kulturellen Erbes heraus eingeleitet worden, wobei auch das Engagement der Bürgerbeteiligungsprozesse belohnt werden sollte. Doch mittlerweile sei ebenfalls die in der Wortmeldung erwähnte Problematik der Begrenzung der Fördermöglichkeiten bereits Gegenstand von »internen Überlegungen« gewesen. »Wir arbeiten dran«, sagte Guido Thomé. Er machte gleichzeitig aber auch geltend, dass über den rein finanziellen Aspekt hinaus beim Kulturerbgut der Eigeninitiative ebenfalls eine bedeutende Rolle zukomme.

Burg-Reuland

Diese Aussage fand Bestätigung in den Anstrengungen, die 2003 in der Gemeinde Burg-Reuland unternommen wurden. Dort wurde damals unter Gemeinschaftsminister Hans Niessen ein Vorzeigeprojekt zur Inwertsetzung des Natur- und Kulturerbgutes durchgeführt, und zwar im Sog des Programms der Ländlichen Entwicklung (LE), dem diese Kommune bekanntlich angeschlossen ist.

Anne-Marie Veithen (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ostbelgien) und Patrick Schössler (Ländliche Stiftung der Wallonie) beschrieben die Vorgehensweise, ausgehend von der geleisteten Ausschussarbeit im Rahmen der LE.

Bürger packen an

Und da die Bürger kräftig mit anpackten, wurden unter fachmännischer Anleitung eine Reihe sehenswerte Vorhaben in mehreren Orten verwirklicht. Da die ehrenamtliche Pflege der Objekte des Weiteren stellenweise durch Patenschaften gewährleistet wird, greift hier ebenfalls die viel gepriesene Nachhaltigkeit.

Aber auch in der Folge werden die Anstrengungen zur Dorfgestaltung in Burg-Reuland fortgesetzt, unterstützt durch die Gemeinde und andere Organismen, wie etwa das Forstamt. Diese laufen in etwa parallel zu den Großprojekten der Ländlichen Entwicklung, die auf der Grundlage entsprechender Konventionen mit der Wallonischen Region großzügig mit Geldern aus Namur gefördert werden. Die Maßnahmen betreffen nicht nur das kleine Kulturerbe, sondern schließen auch Begrünungen, Plätze oder Verkehrssicherheit mit ein. Präsentiert wurden mehrere abgeschlossene, in der Ausführung begriffene sowie geplante Vorhaben, so etwa der Kirchenbering in der Ortschaft Dürler.

Ländliche Entwicklung

Neben Lontzen entfaltet sich die Ländliche Entwicklung (LE) auf Ebene der DG auch in Burg-Reuland und neuerdings Amel. Angesichts der Tatsache, dass aber alle fünf Eifelgemeinden einen Antrag auf Aufnahme in dieses großzügig unterstützte Förderprogramm der Wallonischen Region gestellt haben, bewertet der St.Vither Bürgermeister das Auswahlverfahren als fragwürdig. »Wieso wird da etwa eine Kommune berücksichtigt, die sich selbst als reich bezeichnet?«, fragt Christian Krings - mit Blick nach Amel.

In seinen Augen sollte die Ländliche Entwicklung ohnehin anders ausgerichtet werden. Die angestrebte ganzheitliche Entwicklung der Gemeinden und Ortschaften, Grundpfeiler des Programms, könne nicht allein durch Beihilfen in die Gestaltung von Objekten bewerkstelligt werden. Da müsse auch Manpower her in Form von fachlicher Unterstützung der Gemeinden durch die Region.


(GRENZ-ECHO vom 23.02.2006 Bilder und Bericht von Herbert SIMON)