Neue Kläranlagen in der Gemeinde

Welche Projekte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bzw. der Eifel sind vorerst ins wallonische Investitionsprogramm aufgenommen worden ?

Weitere Ortschaften der Gegend erhalten Kläranlagen

Mitte des vergangenen Jahres kündigte Regionalminister Benoît Lutgen (CdH), wie berichtet, weitere Reformen in Sachen Abwasserklärung und Investitionsprämien für autonome Klein- bzw. Hauskläranlagen an.

Ländlicher Raum

Nun, gemäß diesen Verlautbarungen soll beispielsweise der Bau von kollektiven Großkläranlagen in Ortschaften mit weniger als 2000 Einwohnergleichwerten wieder möglich sein, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind.

Der deutschsprachige Regionalabgeordnete Herbert Grommes (CSP) bewertet diese Maßnahme in einer jetzt veröffentlichten Presseerklärung zu dieser Thematik als »notwendiges Instrument zugunsten der Abwasserklärung im ländlichen Raum«.

Investitionen

Dieser Schritt ist aber mit hohen Investitionen verbunden. Der Minister hat die Schaffung eines eigens zu diesem Zweck bestimmten Haushaltspostens vorgesehen. Die genaue Höhe der Ausgabenbeträge soll in einigen Wochen festgelegt werden.

Auf eine entsprechende Frage von Herbert Grommes zu den im Bezirk Verviers für das laufende Investitionsprogramm 2005-2009 vorgesehenen Kläranlagen konnte Benoît Lutgen konkrete Projekte nennen. In Lontzen und Coo sind die Planungen bereits vorangeschritten.

Ferner sollen alsdann die Ortschaften Weywertz, Oudler, Nidrum, Recht, Grüfflingen, Rodt und Trois-Ponts Kläranlagen im Rahmen dieses Investitionsprogramms erhalten. Somit sind immerhin sechs zusätzliche Dörfer aus dem deutschsprachigen Ostbelgien bzw. der Eifel in die Liste aufgenommen worden.

Prioritäten

Um einen guten ökologischen Zustand der Gewässer in den besagten Dörfern und deren Umgebung zu erreichen, wird den sensibelsten Gebieten Priorität eingeräumt, so etwa Badebereiche und Schutzzonen für Trinkwasserquellen .

Des Weiteren bestätigte der Minister, dass Ortschaften, die zusätzlicher Studien bedürfen, um die Art der Abwasserklärung - entweder kollektiv oder autonom/einzeln - zu bestimmen, in den Sanierungsplänen der Flussbecken (PASH) unter der Bezeichnung »Übergangssanierung« aufgenommen worden sind.

Es obliege der Öffentlichen Gesellschaft für Wasserwirtschaft (SPGE), die von der Wallonischen Regierung mit der Erstellung der Pläne beauftragt worden ist, die Frist zur Beendigung der Studien festzulegen, hieß es hierzu.

Um eine Gleichberechtigung zwischen den Einwohnern in »kollektiven« (Großkläranlagen) und »autonomen« (Einzelkläranlagen) Zonen der Abwassersanierung zu schaffen, hatte der Minister schon im Mai 2005 in einer Erklärung an die Wallonische Regierung zusätzliche Fördermaßnahmen im Bereich der autonomen bzw. individuellen Klärung vorgeschlagen, damit die Wallonische Region die EU-Richtlinien für die Wasserqualität erfüllen könne.

Benoît Lutgen hatte damals vorgeschlagen, die bestehende Prämie von 2500 Euro, die die Bürger in einer autonomen Zone für den Bau einer normgerechten Hauskläranlage erhalten sollen, zu erhöhen. Da in diesem Bereich nach neun Monaten aber immer noch keine Entscheidung getroffen wurde, hat der Regionalabgeordnete Herbert Grommes den Minister dazu befragt.

Die Regierung werde in Kürze über die Modalitäten zur Bewilligung dieser Investitionsprämie für Einzelkläranlagen beratschlagen, so die betreffende Antwort.


(Bericht GRENZ-ECHO vom 13.03.2006)

 

Autonome Abwässerklärung :
Frist bis 2015 verlängert

Wallonische Regierung geht realistischer vor

Die wallonische Regionalregierung hat die Frist für die Ausstattung aller bestehenden Haushalte mit einer autonomen Abwässerkläranlage, wenn diese nicht an eine kollektive Anlage angeschlossen werden könne, bis zum Jahre 2015 verlängert. Bislang war es so, dass diese Vorschrift bis spätestens 2009 erfüllt werden musste.

Die Regierung in Namur setzt sich auf diese Weise realistischere Ziele und will die Angelegenheit pragmatischer anpacken. Man will keinen größeren Eifer an den Tag legen, als von der EU verlangt wird. Eine europäische Direktive spricht nämlich von einem Fälligkeitstermin 2015.

In der Wallonischen Region sollen prioritäre Zonen festgelegt werden, damit zunächst flussaufwärts die Badezonen geschützt werden, anschließend die Quellfassungen und schließlich die Wasserläufe.

Mit der Durchführung wissenschaftlicher Studien wurde bereits begonnen, um für jede Zone die geeignete Vorgehensweise festzulegen. Jeder, der in einer Zone wohnt, in der er über eine autonome Abwässerkläranlage verfügen muss, wird entsprechend informiert.

Die Modalitäten für die Finanzierung der autonomen Abwässerklärung wurden nach oben angepasst. Die Zuschussrate für die Einrichtung anerkannter Klärsysteme wird von 70 auf 90% erhöht, die Höchstgrenze der Prämie wird von 2500 auf 4000 Euro angehoben.


(GRENZ-ECHO vom 17.03.2006)

 

Abwässer im Ourtal klären

Pilotprojekt gestartet: Zweckverband AIDE führt eine Studie durch


Ouren genießt als Ferienregion einen hohen Bekanntheitsgrad. Doch der Badeort im malerischen Dreiländereck Belgien-Deutschland-Luxemburg muss naturgemäß bei der Qualität des Wassers in der Our die Normen der Wallonischen Region bzw. der EU erfüllen.

Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Richtlinien in der Vergangenheit regelmäßig nicht erfüllt werden konnten, so dass sich die Gemeinde Burg-Reuland veranlasst sah, mit Hinweis auf die Gesundheit der Gäste ein zeitweiliges Badeverbot zu erlassen. Diesem Problem soll nunmehr abgeholfen werden. Wie Reulands Bürgermeister Joseph Maraite gegenüber dem Grenz-Echo erklärte, führt der Gemeindezweckverband für die Abwässerklärung (AIDE) im unteren Ourtal im Rahmen eines Pilotprojektes zum Schutz der Badegewässer eine Studie durch. Sie betrifft die Anliegerortschaften der Our zehn Kilometern flussaufwärts vom Dreiländereck. Das sind auf belgischer Seite Weweler, Stoubach, Oberhausen und Ouren. Damit aber die Untersuchung möglichst vollständig ausfällt, sollen in Absprache mit der Nachbargemeinde Arzfeld auch die hier an die Our angrenzenden deutschen Weiler Stupbach und Welchenhausen mit eingebunden werden. Die Einwohner der erwähnten Dörfer werden zu diesem Zweck einen Fragebogen erhalten, den es gilt, auszufüllen. Ziel dieser Initiative ist es, die bestmöglichen Wege für die Abwässerklärung im unteren Ourtal aufzuzeigen.

Ansonsten umfasst die Gemeinde Burg-Reuland mehrere so genannte »kollektive« Klärzonen mit Kläranlagen in Braunlauf und Thommen (in Betrieb) sowie in Burg-Reuland, Oudler und Grüfflingen (in Planung). Für die übrigen Dörfer gilt die »individuelle« Abwässerklärung mit Hauskläranlagen.


(GRENZ-ECHO vom 25.03.2006)

 

Abwasserklärung als Biotop in OUDLER

»Die Investition lohnt sich gewiss«, sagt der Architekt


Bauherr Dieter Alloo aus Oudler ist von seinem Klärteich begeistert: »Es herrscht keine Geruchsbildung, da das Wasser nicht steht. Auch ist ein Insektenbefall nicht zu befürchten, da kein Oberflächenwasser sichtbar ist. Im Gegenteil: Durch die Bepflanzung entsteht ein wahres Biotop, in dem Fauna und Flora im Gleichgewicht leben«.

Alternativen

Wie dem auch sei, ökologische Alternativen zu den gängigen Kläranlagen sollen Funktionssicherheit, Kostenersparnis und natürliche Umfeldverschönerung bewirken. Das geklärte Wasser kann, ähnlich wie Mikroklärstationen, unbedenklich in den Bach abgeleitet oder aber auf einer Fläche verrieselt werden. Bis dato sind in der Wallonischen Region bereits 200 Lagunenbecken für die Abwasserklärung gebaut worden, davon allein zwanzig in der Gemeinde Stoumont.
 

Erfahrungen

Auf die Frage nach Langzeitstudien verweist Fachmann Christian Heyden auf seine eigene häusliche Pflanzenkläranlage, die 1993 als Pilotprojekt von der Wallonischen Region genehmigt wurde und seit über 13 Jahren wartungs- und kostenfrei funktioniert: »Ich weiß nicht, was mich eine Klärung mittels Mikroanlage in dieser Zeitspanne gekostet hätte«.

Was die Kosten anbelangt, so gewährt die Wallonische Region Zuschüsse für die Sanierung der Kläranlagen bei Altbauten. So wird ein einmaliger Zuschuss von 2500 € Euro pro Anlage gewährt, wobei es ab dem sechsten Einwohnergleichwert einen Zuschlag gibt. Bei einer entsprechenden Verrieselung kommt der Bauherr zudem in den Genuss einer Zuwendung von 625 €Euro.
 

Kostenfrage

Für Wasserschutzgebiete, ausgewiesene Badezonen sowie durch städtebauliche Maßnahmen bezeichnete Baustellen kann sich die finanzielle Beteiligung auf bis zu 4000 € Euro erhöhen. Hinzu kommt noch eine Befreiung von den steuerlichen Abwasserabgaben. »Wenn man bedenkt, dass eine solche Anlage bei entsprechender Eigenleistung ca. 5000 - 6000 Euro kostet, lohnt sich die Investition gewiss. Hier in Oudler beispielsweise hat der Betreiber demnach für ca. 2500€ Euro eine ökologisch-ökonomische Klärung für zwei Einfamilienhäuser geschaffen«, stellt Architekt Leo Michaelis fest.

Der Ecolo-Informationstag hat womöglich den einen oder anderen Häuslebauer zum Umdenken bewegt.

Weitere Informationen zu dieser Thematik erteilen:

Planer des Klärteichs in Oudler war Christian Heyden (links), Auftraggeber Dieter Alloo (2. von rechts).

Ecolo-Ostbelgien (Tel.087/56 17 00) oder
Christian Heyden (Tel. 084/41 39 60);
www.lagunage.be
E-Mail:christian.heyden@yucom.be

Kiesbett mit Schilfbewuchs als Klärmaßnahme
Kontrollschacht mit ungeklärtem Wasser


Resultat : sauberes Wasser
Kontrollschacht nach Klärung

Finanzielle Beihilfen

In Sachen Abwasserklärung herrscht auch in Belgien noch ein erheblicher Nachholbedarf. Die Wallonische Region hat mittlerweile zum großen Teil die Aufteilung des Gebietes in kollektive und autonome sprich individuelle Klärzonen durchgeführt. Auch wurden unter Regionalminister Benoît Lutgen die Bestimmungen in dieser Materie den allgemeinen Anforderungen angepasst. Jedenfalls muss die Wallonische Region noch bedeutende Anstrengungen unternehmen, um den Vorgaben der Europäischen Union zum Schutz der Gewässer fristgerecht Genüge leisten zu können.

Wer in einer ländlichen Ortschaft wohnt, die nicht in einer kollektiven Zone liegt und somit nicht durch eine zentrale Gesamtkläranlage erfasst wird, muss das Schmutzwasser individuell durch eine Hauskläranlage entsorgen. Als äußerste Frist für die Umsetzung dieser Maßnahme, bei der die Wallonische Region die Investoren aber finanziell kräftig unter die Arme greift, gilt laut neuestem Regierungsbeschluss nunmehr das Jahr 2015. Auch haben die Minister in Namur - wie berichtet - die Modalitäten für die Finanzierung der autonomen Abwasserklärung nach oben angepasst. Die Beihilfe-Rate für die Einrichtung anerkannter Kleinklärsysteme wurde von 70 auf 90 Prozent erhöht, die Höchstgrenze der Prämie von 2500 auf 4000 Euro angehoben.
 

Schmutzwasser der Häuser in Klärteichen entsorgen

Dieter Alloo aus Oudler hat eine Pflanzenkläranlage gebaut
 

Bürger, die in einer so genannten autonomen Klärzone wohnen, müssen bekanntlich das anfallende Schmutzwasser selbst in einer eigenen Klein- bzw. Hauskläranlage entsorgen.

Als gängige Technik, die den vorgeschriebenen Normen entspricht, greifen die meisten Bauträger auf Mikroklärstationen zurück. Eine aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht interessante Alternative stellen Pflanzenkläranlagen dar, zumal auch diese von der Wallonischen Region zugelassen sind.

Auf dem Anwesen von Didier Alloo in Oudler konnten sich jetzt die zahlreichen Teilnehmer eines Ortstermins der Ecolo-Partei über die Funktionsweise einer solchen Einrichtung informieren. Architekt Leo Michaelis und Planer Christian Heyden erläuterten Konzept, Finanzierung und Bezuschussung der Infrastruktur.

Es handelt sich im vorliegenden Fall um eine Zwei-Häuser-Kläranlage, die im Zuge einer Vernetzung eines bestehenden Altbaus mit einem Neubau, gebaut wurde. Sie arbeitet seit knapp einem Jahr zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers. Jedes der beiden angeschlossenen Einfamilienhäuser verfügt über einen eigenen Klärbehälter, wo die eingeführten Abwässer biologisch verflüssigt werden, bevor sie durch Rohre zu einem zentral auf dem Anwesen gelegenen Pflanzenfilterteich geleitet werden: Dort wird die endgültige Klärung bewerkstelligt. Anschließend kann das saubere Wasser in den nahen Bach eingeführt werden.

Unterhaltsfreundlich

»Bei der Anlage in Oudler handelt es sich um die Minimalausführung. Je nach Bedarf und Kapazität existieren weitere Komponenten, die aufeinander abgestimmt sind«, so Leo Michaelis. Das Lastenheft sowie der Lage- und Erstellungsplan wurden von Christian Heyden aus Rochefort, einem Fachmann für Pflanzenklärteiche, gestaltet. Für eine solche Anlage spricht in erster Linie laut Angaben des Experten die Unterhaltsfreundlichkeit.

Christian Heyden argumentierte in Oudler wie folgt: »Eine genormte Mikroklärstation arbeitet mit elektrischen Pumpen, die zum einen viel Strom verbrauchen und zum anderen mit nur rund zwei Jahren Betriebszeit eine geringe Lebensdauer haben. Außerdem müssen diese Anlagen regelmäßig gewartet und gereinigt werden, so dass zahlreiche Nebenkosten anfallen. Der Klärteich hingegen generiert sich selbst. Die Pflanzen übernehmen auf rein biologische Art und Weise die Klärung und sorgen zudem noch für eine botanische Augenweide im eigenen Garten.«

Genug Gelände

Wer in ländlicher Umgebung über genügend Gelände verfügt, sollte sich für einen Klärteich entscheiden, empfahl der Fachmann. Benötigt werden 30 qm für eine horizontale Einfamilien-Anlage oder 15 qm für eine entsprechende Vertikalanlage, insofern die Topografie dies zulässt.

Bei der Pflanzenkläranlage müssen im Herbst alle Schilfpflanzen geschnitten werden. Der Schnitt bleibt aber im Winter als Frostschutzschicht auf dem mit Kies gefüllten Klärteich liegen, bevor er im Frühjahr als Kompost entsorgt wird, so dass die neuen Triebe wachsen können. Die vorgeschalteten Klärbehälter sollten ein Fassungsvermögen von mindestens 2400 Litern haben bei einem Einfamilienhaushalt.

»Je größer der Pott, umso besser und länger können die Bakterien in der Anlage arbeiten und die Abwässer verflüssigen. Daher brauchen diese Anlagen auch nie leergepumpt zu werden«, erläuterte Biochemiker Christian Heyden.

Lagunenbecken

Beim eigentlichen Lagunenbecken ist jeweils ein Kontrollschacht für den Ein- und Auslauf vorgesehen. Dieser Klärteich besteht aus einer 80 cm tiefen Grube, die mit Schutzgittern gegen Nager und einer hochwertigen EPDM-Folie ausgelegt ist. Die Ein- und Ausleitungen werden speziell abgedichtet, bevor die Grube mit Kies gefüllt wird.

In diesen Kies werden dann die verschiedenen Schilf- und Teichpflanzen für die biologische Klärung eingesetzt. Größere Laubbäume, Hecken und Sträucher müssen in einem Abstand von ca. fünf Metern vom Becken entfernt bleiben, damit die Kiesschicht nicht durch herab fallendes Laub versiegelt wird. Ansonsten würde die Sauerstoffzufuhr für die pflanzliche Klärung unterbunden.

 

(GRENZ-ECHO vom 31.03.2006 Bericht und Bilder von Gerd HENNEN)