Obsthain in Thommen

 

Natur erleben: Schüler in der Gemeinde Burg-Reuland pflanzten rund 1.000 Bäume in ihrer direkten Umgebung

Im Rahmen eines Projektes unter dem Titel „Die Natur, unser Freund“ haben Schüler der Gemeindeschulen in Burg-Reuland am Freitag rund 1.000 Bäume an mehreren Orten in ihrer Gemeinde gepflanzt. Wichtig war den Lehrern, dass die Pflanzgebiete nahe der Schulen liegen, damit die Jungen und Mädchen „ihre“ Sträucher und Bäume auch beobachten können und sich dort die Gelegenheit ergibt, Natur praktisch zu erleben. Die Lehrkräfte möchten mit dieser Initiative den Kindern Lernerfahrungen in der Natur bieten, da diese in der auf Kommunikation und Vernetzung ausgerichteten Welt oft zu kurz kommen. Außerdem leisten die Jungen und Mädchen so einen sehr konkreten Beitrag zur Gestaltung ihrer Gemeinde. Später werden die Gebiete Lernorte für die Schulen werden, in denen z.B. die Kindergartenkinder die vier Jahreszeiten konkret sehen können bzw. Schulkinder lernen, Sträucher und Pflanzen zu benennen und die Zusammenhänge zwischen Flora und Fauna zu erkennen. So waren auch schon die Kindergartenkinder aktiv in die Aktion eingebunden. Tatkräftig unterstützt wurden die Kinder von vielen Opas und Vätern. Für diese Aktion haben die Schulen mit der Gemeinde (Plan Maya und Kommunaler Naturentwicklungsplan), der Forstverwaltung und Agra-Ost zusammengearbeitet.

Anlegen eines Erhaltungsobstgarten in Thommen 

Die Anbaufläche von hochstämmigen Obstbäumen wurde im Laufe der Zeit erheblich verringert, in der Wallonischen Region von mehr als 20 000 Hektar in den 50er Jahren auf weniger als 1.000 Hektar in den 70er Jahren. Mit diesem Rückgang sind viele lokale Sorten verschwunden. Aus diesem Grund hat dieGemeinde Burg-Reuland beschlossen, einen gemeinschaftlichen Obstgarten mit alten Apfelsorten aus der Sammlung des CRA-W Gembloux (Marc Lateur) anzupflanzen. 

Projektverantwortliche: 

Primarschulkinder und Lehrer der Schule Kreuzberg und Gennen Jerome (Agra-Ost)

Partner:

Gemeindeverwaltung Burg-Reuland, Agra-Ost , Örtliche Kommission für Ländliche Entwicklung (ÖKLE) der Gemeinde Burg-Reuland, Gemeindedienst von Burg-Reuland, Nutzer des Dorfhauses Thommen, Gemeindeschule Grüfflingen/Kreuzberg und interessierte Bürger der Gemeinde, Gerhard Reuter von AVES

Ziele:

Bewahrung und Förderung heimischer Obstarten, Sensibilisierung der Bevölkerung, Diversifizierung der Obstbaumbestände, optische Aufwertung und landschaftliche Integration des Geländes hinter dem Dorfhauses.

Zielpublikum: 

Nutzer des Dorfhauses, Gemeindeschule Grüfflingen / Kreuzberg, Einwohner und Kinder der Gemeinde Burg-Reuland.

Auswirkung im Hinblick auf die Zielsetzung: Sensibilisierung und/oder Verbesserung des ökologischen Netzwerks: 

Die Umweltstudie der Gemeinde Burg-Reuland hat gezeigt, dass in unserer Gemeinde noch relatief viele (2.6 % der Fläche der Gemeinde) biologisch wertvolle Kerngebiete vorhanden, aber dass diese Gebiete nur unzureichend miteinander vernetzt sind. Eine der Maßnahmen, die durch den KNEP vorgeschlagen wird, ist die Anpflanzung einheimischer Obstbäume. Der Zweck dieses Obsthains ist die Schaffung von und die Bewusstseinsbildung für ökologische Verbindungselemente, die Erhöhung der Artenvielfalt und die landschaftliche Integration des Geländes. Dieses Projekt wird ein Vorbildprojekt für die Erhaltung heimischer Obstbaumarten und der Verwertung der Früchte. Die zweite Stärke dieses Projekts ist die Beteiligung der lokalen Bevölkerung, vor allem der Kinder der Gemeindeschulen, für die Identifizierung der alten Sorten und den Unterhalt des Obstgartens (Schnitt- und Veredelungsvorführungen vor Ort, Nistkästen, Sitzstangen für Greifvögel, Beweidung mit Schafen aus der Umgebung), und dass die lokale Bevölkerung von der mobilen Presse profitieren kann um eigenes Obst zu pressen.

Inhalt:

Im Rahmen eines Projektes zur Ländlichen Entwicklung wird das ehemalige Schulgebäude von Thommen renoviert und einer neuen Zweckbestimmung zugeführt: Im Erdgeschoss wird ein Dorfhaus eingerichtet, das von den Vereinen der Ortschaft (u.a. Landfrauen) zur Durchführung ihrer Aktivitäten genutzt werden kann. In den beiden oberen Stockwerken entstehen zwei Übergangswohnungen für junge Paare aus der Gemeinde, die die Absicht haben, ein Wohngebäude in der Gemeinde zu bauen oder zu erwerben.

Der hinteren Teil der Parzelle, wo es früher einen Garten gab, war verwaist. Mit einer Größe von rund 0,25 Hektar bietet die Parzelle Platz für 24 Obstbäume.Bei der Wahl der Obstbäume wird auf eine Sammlung von regionalen Sorten zurückgegriffen, welche Agra-Ost und das landwirtschaftliche Forschungszentrum der Wallonie (CRAW-Gembloux) gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erstellt hat. Diese Sorten haben den Vorteil lokalen Ursprungs und krankheitsresistent (Baumkrebs) zu sein. Es ist ausserdem interessant diese regionalen Sorten auch noch einmal in unsere Region zurück zu bringen, damit sie auch in ihrer Ursprungsregion erhalten bleiben. 

Im Frühjahr 2012 wurden Edelreiser (junge Äste) aus dieser Sammlung regionaler Sorten auf unsere Anfrage in einer Baumschule veredelt. Diese Bäume wurden dann am 17. November des gleichen Jahres von den Schulkindern gepflanzt. Dabei wurden sie von ihren Lehrern, Grosseltern und Gemeindevertretern unterstützt. 

Am 20. März 2013 hat eine erste Schnittvorführung in diesem Obsthain stattgefunden, organisiert durch Agra-Ost. In den folgenden Jahren werden weitere Schnitt und Veredelungs-Vorführungen stattfinden. Jeder der sich für dieses Thema interessiert ist herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Außerdem wird eine mobile Obstpresse am 23. und 24. Oktober 2013 in Sankt-Vith bei Agra-Ost Äpfel zu Saft verarbeiten. Die Betreiber der Obstpresse verarbeiten bis zu 300 kg Äpfel pro Stunde und liefern nach nur 15 Minuten den pasteurisierten Saft in 3 oder 5 Liter Bag-in-Box Gebinden zu einem Preis von +- 1,15 € pro Liter samt Verpackung (teilweise wiederverwertbar). Die Schulkinder werden in den nächsten Jahren an dieser Aktion teilnemen, werden aber vorerst eher Obst aus anderen Gärten einsammeln müssen. An dieser Aktion kann sich auch jeder zum gleichen Preis beteiligen und sie könnte, wenn das Interesse in der Bevölkerung besteht, in Zukunft auch in Thommen organisiert werden. Nähere Auskünfte gibt es beim Organisator, der VoG "die Raupe" aus Eupen, oder auf der Internetseite von Agra-Ost.

Die Pflege der Parzelle wird durch Beweidung mit Schafen von einem ortsansässigen Landwirt übernommen, was zu einer besseren Akzeptanz des Projektes beitragen sollte. Dafür wird die Parzelle mit Maschendraht eingezäunt und die Baumstämme mit einer Korsage vor Verbiss geschützt werden.

Die Lehrpersonen der Gemeindeschulen haben Interesse bekundet, mit den Kindern kleine naturalistische Projekte zu verwirklichen. Die folgenden Projekte werden, wenn möglich, mit der Hilfe der Schulkinder der Gemeindeschulen verwirklicht.

  • Auf einer Fläche von 800 m² wird eine Blumensaat-Mischung, die speziell für Obstgärten angepasst wurde und die den bestäubenden Insekten Nahrung bietet, ausgesäet.
  • Es werden Ansitzstangen für Raubvögel entlang des Zauns aufgestellt. Zusätzlich zum generellen Nutzen dieser Vogelarten in der Natur fördern wir so einige der natürlichen Feinde der Feld- und Wühlmäuse, die Tag- und Nacht-Greifvögel, indem wir ihnen eine Sitzwarte für die Jagt anbieten.
  • Das gesunde Astschnittmaterial wird auf der Parzelle verbleiben und zum Anlagen einer Benjes-Hecke verwendet. Dieser „Haufen“ oder „Mauer“ aus Ästen lockt Vögeln an und bietet Igeln, Reptilien und anderen Wildtieren Schutz bei ihren Rundgängen auf der Parzelle.
  • Um das Gelände noch weiter zu diversifizieren werden Steinmauern oder Haufen aus großen Steinen angelegt, die Kleinsäugetieren und Reptilien Schutz bieten sollen.
  • Die Schulkinder werden Nistkästen oder Niströhren bauen und im Obsthain aufhängen. Gerhard Reuter, ein Animator der Vogelschutz-Organisation AVES, wird bei der Wahl der Nistkastenmodelle und der konkreten Umsetzung behilflich sein.
  • Es wird außerdem ein Insektenhotel und ein Bienenschaukasten im Obsthain gebaut werden, um den Besuchern den direkten Bezug zwischen Insekten und der Bestäubung der Obstblüten zu verdeutlichen. 

Schutz und Nutzung der einheimischen Obstsorten


Bilder Robert Frauenkron vom Grenzecho