Ostbelgien auf dem Weg zum Paradies für Radfahrer

Wenn das Verkehrsamt der Ostkantone (VAO) mit dem Slogan "Ostbelgien - Paradies für Radfahrer" wirbt, klingt das womöglich zu anspruchsvoll : Aber mit der jüngsten Initiative
"Velo Tour Hohes Venn-Eifel" rückt man dem Ziel etwas näher.

Am Samstag, dem 16. Oktober 2004 wurde dieses neue 850 Kilometer lange ostbelgische Radwanderwegenetz in Betrieb genommen :
Es erstreckt sich von der holländischen bis zur luxemburgischen Grenze, vom nördlichen zum südlichen Dreiländereck, von Gemmenich bis Ouren.

Initiatoren

Nun, Begründer des Projektes seit 1999 sind das VAO, das Naturparkzentrum Botrange und der Fremdenverkehrsverband der Provinz Lüttich, mit finanzieller Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Wallonischen Region, der Provinz Lüttich und den Gemeinden.  Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 180.000 €.

Die Umsetzung der geplanten Trassenbeschilderung war jedoch umständlicher als vorgesehen, vor allem, da das Vorhaben letztendlich nicht mittels EU-Interreg-Geldern kofinanziert werden konnte.  
Doch in Zeiten des aufstrebenden Radtourismus konnte "Velo-Tour" schließlich auf die Schienen gestellt werden.

Als Netzmanager erläuterte Dany Heck vom VAO das System, das sich an bestehende und übrigens sehr bewährte Einrichtungen in Flandern, Holland und Deutschsland anlehnt.  "Velo-Tour" funktioniert wie ein Spinnengewebe : Alle Kreuzungen in diesem weitläufigen Radroutennetz sind durchnummeriert.  An jedem Knotenpunkt steht eine große oder eine kleine Orientierungstafel : Sie umfasst eine Karte des Netzsystems und die Nummer der betreffenden Kreuzung.  Von hier aus kann der Radfahrer seine Tour festlegen, indem er sich an den Schildern mit den Knotenpunkten und den Zwischenwegweisern, die Schnittstellen und die Richtungswechsel anzeigen, orientiert.  Sehr behilflich, ja sogar unentbehrlich bei der Erkundung der Rundstrecke ist aber auch das speziell hierzu herausgegebene Routenkarten-Prospekt.

Interessante Perspektiven eröffnet auch die Tatsache, dass bei der "Velo-Tour" Anbindungen an bestehende Wegenetze bei den Nachbarn berücksichtigt worden sind, so nach Holländisch-Limburg oder zum Kreis Aachen.

Themen-Routen
 
Die ausgewählten Strecken führen meist über verkehrsarme Nebenstraßen und verkehrsfreie Waldwege.  In der Mittelgebirgsregion Ostbelgien ist der Schwierigkeitsgrad naturgemäß recht verschiedenartig.
Damit das Landschaftsbild in Wald und Wiesen nicht durch einen Schilderwald verunstaltet wird, wurden nur dort Wegweiser aufgestellt, wo tatsächlich ein Richtungswechsel erfolgt.  Womöglich werden aber noch Verbesserungen notwendig sein.  Im Zuge einer angelaufenen einjährigen Testphase wird sich herausstellen ob die Beschilderung noch ergänzt werden muss.  Das VAO ist offen für jede konstruktive Kritik in diesem Bereich.

Erwähnenswert auch, dass das VAO auf der Grundlage des neuen Radwegenetzes insgesamt 18 Themenrouten ausgearbeitet hat, die in einem entsprechenden Projekt beschrieben werden.  
Die Bezeichnungen sind sehr klangvoll : ob Trinkwasser-Route oder Wald-Seen-Route, ob Warche-Route oder Energie-Route, ob Treeschland-Route oder Ourtal-Route.  Selbstverständlich ist darin auch der neue Radwanderweg auf der stillgelegten Vennbahnlinie St.Vith-Weismes aufgenommen worden.

Große Erwartungen setzen die Tourismus-Strategen in die Erschließung weiterer Strecken auf stillgelegten Bahnlinien.  Konkret steht für 2005 der Radwanderweg Auel-Lengeler an.


(Text von Herbert Simon GRENZ-ECHO vom 18.10.2004)