Auch Burg-Reuland macht den Weg frei fürs Radwandernetz

Seitdem im Sommer auf der stillgelegten Bahnstrecke zwischen St.Vith und Weismes ein Radwanderweg entstanden ist, gibt es konkrete Pläne, ein gigantisches Netz an Radwanderwegen zu realisieren, das sich über die drei Benelux-Staaten und die deutsche Eifel erstreckt.


Das Projekt nennt sich, wie den Nutzern nicht unbedingt bekannt, Pre-Ravel und wird vor allem vom Verkehrsamt der Ostkantone entschlossen vorangetrieben bzw. betreut. 
Nun wurden auch in der Gemeinde Burg-Reuland die Voraussetzungen geschaffen, um das Netz auf kommunalem Gebiet weiterzuführen.


Teils in Privatbesitz

Am Freitag, dem 03. Dezember 2004 sollten in Thommen die Verhandlungen zur Einrichtung einer solchen Radstrecke auf dem Territorium der Gemeinde Burg-Reuland entscheidend vorangetrieben werden.  Im Rathaus präsent waren neben Hausherr und Bürgermeister Joseph Maraite jeweils zwei Vertreter der Ländlichen Entwicklung der Wallonie (FRW) und der belgischen Eisenbahngesellschaft SNCB.  Ebenfalls vertreten war das projektführende Verkehrsamt sowie der Kabinettschef von Tourismusminister Bernd Gentges, Leo Kreins.

Objekt der Gespräche war auch der Anschluss an Luxemburg.  
Daher hatte die Gemeinde Troisvierges ebenfalls zwei Vertreter nach Thommen entsandt.

(Bild : Alphons Henkes)
Die beiden Herren Schöffen der luxemburgischen Gemeinde Troivierges

Der stillgelegte Schienenweg befindet sich in Burg-Reuland noch immer im Besitz der SNCB.  Dies war im Falle des bereits realisierten Abschnittes von St.Vith über Born und Montenau nach Weismes anders.  Die Bahnstrecke befand sich dort bereits seit längerem im Besitz der Gemeinden, so dass kein Verhandlungsbedarf mit der SNCB bestand.

Es geht jedoch keineswegs um die Kostenfrage.  Die Bahngesellschaft wird der Gemeinde das Gelände zum Preis eines symbolischen Euros überlassen.  Der entsprechende Vertrag wird voraussichtlich am
15. Januar 2005 unterzeichnet.  Die Probleme bestehen vielmehr darin, dass die SNCB in den Jahren seit der Stilllegung einige Teile der alten Bahnstrecke verpachtet hat.  Diese Passagen können demnach künftig nicht für den geplanten Radwanderweg genutzt werden.  Sie müssen folglich umkurvt werden, wozu man aber problemlos bereits angelegte Feldwege nutzen könne, hieß es hierzu seitens der Gemeinde.

Gleich zwei Grenzen

Des Weiteren ist der Zustand des brachliegenden Geländes nicht überall ausreichend, um ihn ohne größere körperliche Mühen mit einem konventionellen Fahrrad befahren zu können.  Es wird von daher stellenweise einer Einebnung der Trasse bedürfen, um das Gelände für alle "Kategorien" befahrbar zu machen.  Außerdem werden an einigen Punkten der Radstrecke Parkplätze eingerichtet, vermutlich an den alten Bahnhöfen der Ortschaften Burg-Reuland, Oudler und Lengeler.

Auf luxemburgischer Seite haben die Politiker mit ähnlichen Problemen wie in Belgien zu kämpfen : Auch dort befinden sich weiträumige Landstriche in privatem Besitz, doch es seien bereits Planungen angelaufen, um Ausweichwege einzurichten, so versicherten die Vertreter aus Troisvierges.  Der Anschluss an das Radwandernetz in Deutschland wird in der Nähe von Auel vollzogen.  Dort wird eine kleine Brücke über die Our, die dort die natürliche Grenze bildet, gebaut.  Bürgermeister Joseph Maraite zeigte sich zuversichtlich, dass dem Projekt "Pre-Ravel" in Burg-Reuland nichts im Wege steht und dass mit der Bahngesellschaft nur noch einzelne Formalitäten geklärt werden müssten.  Praktisch gesehen sei "bereits alles unter Dach und Fach".

Rahmeninfrastruktur ausbaufähig.

Als Motor bzw. Herzstück des Radtourismus in Ostbelgien gilt seit der offiziellen Inbetriebnahme Anfang Juli der Abschnitt St.Vith-Weismes.  Eine siebzehn Kilometer lange Trasse, die auf Grund ihrer kaum vorhandenen Steigungen in den vergangenen Monaten von Touristen wie Einheimischen "bevölkert" wurde.

Der Startschuss zur "Velo Tour Hohes Venn-Eifel" fiel übrigens Mitte Oktober im Naturparkzentrum Botrange.  Hier wurde nochmals eindringlich auf die Wichtigkeit einheitlicher Systeme für den Wandertourismus in Eifel-Ardennen zu Fuß, per Fahrrad, per Pferd oder gegebenenfalls per Auto hingewiesen - eine Entwicklung, die vorangetrieben werden muss.  Denn der Feriengast in Ostbelgien, aber auch der auf Bewegung bedachte Einheimische soll sich seinen Ausflug "à la carte" zusammenstellen können, entsprechend seinem Geschmack, seinen Ambitionen und natürlich seiner physischen Verfassung.  Ohnhehin wird dem Radtourismus in einem Land, das allein schon aus sportlicher Sicht auf seine Traditionen verweisen kann, und besonders in einer Region, die von ihrer natürlichen Topografie geradezu prädestiniert ist für aktive Freizeitgestaltung, eine vielversprechende Zukunft vorhergesagt.  Vor diesem Hintergrund ist für Tourismusminister Bernd Gentges die Velo-Tour "ein unerlässlicher und ausbaufähiger Bestandteil unseres touristischen Konzeptes, das weiterhin auf dem Kapital Natur aufbaut".

Sicherlich ist die Rahmeninfrastruktur für die Radwanderwege noch ausbaufähig.  Große Erwartungen setzen die Tourismus-Strategen in diesen Kontext in die Erschließung weiterer Strecken auf stillgelegten Bahnlinien.  Konkret steht für nächstes Jahr der Radwanderweg Auel-Lengeler an, wie die Entscheidungsträger der Gemeinde Burg-Reuland bekräftigt haben.  In Planung ist zudem die Route von St.Vith (genauer : Neidingen) nach Prüm.  Und eines Tages dürfte ebenfalls der Vennbahn-Radwanderweg Eupen-St.Vith zustandekommen.

"Velo-Tour" über 850 Kilometer

"Velo-Tour Hohes Venn-Eifel" : Das sind insgesamt 850 Kilometer Radwanderwege, 182 Knotenpunkte, 27 große und 155 kleine Ausgangstafeln, 551 Knotenpunktschilder und 1.497 Zwischenschilder.

Bei der Verwirklichung des viel versprechenden und komplexen Vorhabens griffen die Initiatoren auf verschiedene Privatpartner zurück.  So war etwa Media Planning (St.Vith) am Vorprojekt beteiligt.  Die Beschilderungsplanung wurde durch Sport & Freizeit Heck durchgeführt.  Die grafische Gestaltung mit dem aussagekräftigen und sprachenübergreifenden Velo-Tour-Logo lag in den Händen von IDS (Peronnes-les-Binches).  Die Schilder sind aus wiederstandsfähigen und preisgünstigem Kunststoff (Trespa) gefertigt.  

Im Naturpark Hohes Venn-Eifel boten sich stilgerecht Holzpfosten als Träger der Beschilderung an.  Für die Gestaltung der Radwanderkarte auf den Tafeln sowie im Routenprospekt griff das Verkehrsamt der Ostkantone (VAO) auf die Mitarbeit des Nationalen Geografischen Institutes und auf Erwin Kirsch Design (St.Vith) zurück.  

Die Erstellung und Montage der Beschilderung bewerkstelligte das Unternehmen Contact Forestier (Solwaster).

Ergänzend hat das VAO im Herbst eine Radwanderkarte in 15.000 Exemplaren drucken lassen. Sie wird für 9 € verkauft.

Der ebenfalls 15.000 Mal gedruckte Prospekt "Velo-Tour Hohes Venn-Eifel", der zum einen als Werbemittel für die touristische Neuerung in unserer Gegend gilt und zum anderen 18 Themenrouten beschreibt und auch ansonsten in drei Sprachen (d-f-nl) viele wichtige Informationen zum Gesamtangebot des ostbelgischen Radtourismus umfasst, ist kostenlos erhältlich.  

Dabei ergänzt "Velo-Tour" die bisherigen Produkte des VAO in diesem Bereich, so die Mountainbike-Karte und das Pauschalangebot "Radwandern ohne Gepäck" gefördert.

 

(Bericht GRENZ-ECHO vom 04.12.2004  LINNERTZ Volker)

 

Reuländer Radwanderweg macht Fortschritte

Die Planungen zum Radwanderweg in der Gemeinde BURG-REULAND laufen mittlerweile auf Hochtouren.

Eine malerische Strecke erwartet die Radwanderer zwischen Auel und Lengeler.
Brücke in Düler (Photo Gerd HENNEN)
Auel - Burg-Reuland bei Sägerei OESTGES (Bild HENNEN Gerd)
Burg-Reuland - Auel (Bild HENNEN Gerd)

Dieses Vorhaben unter der Obhut der Gemeinde Burg-Reuland erfordert eine umfassende Vorbereitungszeit, die gestern am Dienstag, dem 12. Januar 2005 bei einem weiteren Treffen im Rathaus in Thommen vorangetrieben wurde.  Schließlich umgibt sich die Kommune, bei diesem Termin vertreten durch Bürgermeister Joseph MARAITE und Sachbearbeiter METTLEN Michael, mit Fachleuten, wie Gilbert Perrin (Vereinigung "Chemins du Rail"), Michel Herfurth und François Marot (Straßenministerium/MAT), Manfred Dahmen (Direktor des Verkehrsamtes der Ostkantone/VAO), Anne-Marie Veithen (WFG) sowie Stany Noël und Patrick Schössler (Ländliche Stiftung der Wallonie), die allesamt ihre Erfahrungen in dieses ehrgeizige Vorhaben einbringen.

Mit am Tisch saßen im Gemeindehaus zu Thommen u.a. der Bürgermeister MARAITE Joseph, Manfred DAHNEN VAO), Gilbert PERRIN (Chemins du Rail) und Anne-Marie Veithen (WFG).

Die Gemeinde soll die Strecke zum symbolischen Euro von der Eisenbahngesellschaft mieten.  Doch da noch Fragen zu klären bleiben wurde Gilbert Perrin beauftragt baldmöglichst ein genaues Inventar zu erstellen über die Eigentumsverhältnisse, den Zustand der Infrastruktur, erforderliche Bau- und Unterhaltsmaßnahmen, die rechtlichen und finanziellen Folgen einer solchen Abmachung usw.  Dass beispielsweise die Jagdpacht im Bereich der Strecke laut Absicht der SNCB aufrechterhalten werden soll, ist der künftigen Nutzung der Trasse selbstverständlich eher hinderlich.  Auch gilt es, die Kreuzungen des Radwanderweges mit den großen Verkehrsstraßen zu sichern, wozu nicht in allen Fällen die übliche Beschilderung ausreichen könnte, um die Gefahrensituationen auszuschalten.  
Alle arbeiten fleißig daran, dass das beabsichtigte flächendeckende Routennetz für Radfahrer und Wanderer in unserer Gegend zustande kommt.

Kosten

Damit die Radfahrer und Wanderer angemessene Bedingungen vorfinden, müssen zwecks touristischer Erschließung des ehemaligen Bahnteilstücks Auel-Lengeler Ausbesserungsmaßnahmen durchgeführt werden, wie etwa Pflegearbeiten an der Vegetation - sprich Abholzungen, Fahrbesfestigung, Beschichtung mit Schotter und Splitt-Sandgemisch.  Die Gesamtheit der Kosten würde sich auf rund 273.000 € belaufen, insofern der Weg auf seiner Länge und seiner Breite komplett behandelt würde.  Im Haushaltsplan 2005 trägt die Gemeinde Burg-Reuland 60.000 Euro ein.

Die schönste Trasse in der Wallonie

Die Vereinigung "Chemins du Rail" mit Sitz in Jambes/Namur, die sich u.a. mit der Geschichte der belgischen Eisenbahn sowie mit den historischen und technischen Aspekten bei der Nutzung stillgelegter Bahntrassen befasst, kennt sich mit der Situation der ostbelgischen Vennbahn bestens aus und ist für die Gemeinde Burg-Reuland und ihre Partner denn auch ein wichtiger Ratgeber bei der Gestaltung des Radwanderweges Auel-Lengeler.  Der Vertreter dieses VoG, Gilbert Perrin, ist angetan von den Planungen und meinte, vor allem mit Hinweis auf die herrliche Naturlandschaft, unumwunden : "Hier entsteht wohl die bislang schönste touristische Einrichtung dieser Art in der ganzen Wallonie".  Selbstverständlich soll die Orstchaft Burg-Reuland aus Sicht des Fremdenverkehrs als Hauptattraktion "eine zentrale Rolle" spielen bei diesem Vorhaben : Darüber waren sich gestern alle Teilnehmer des Arbeitsgespräches einig.  Wenngleich aus Platzgründen die Parkplätze für die Radwanderer in Reuland/Bahnhof, Oudler/Bahnhof und Lengeler/Bahnhof vorgesehen sind.

Der Anschluss an das luxemburgische Radwanderwegenetz soll zwischen Lengeler und Schmiede/Huldingen über einen Wirtschafts- bzw. Forstweg erfolgen (vorerst jedenfalls nicht durch den Bahntunnel, der auf dem Territorium des Großherzogtums liegt), an das deutsche Netz über die Grenzbrücke Auel, die wiederaufgebaut wird.



Pilotprojekt in der Gemeinde Burg-Reuland angedacht

Wanderweg thematisch aufwerten.

Die Wanderweg werden aufgewertet sowie thematisch und didaktisch angereichert, mit Hinweis u.a. auf die Landschaften, auf die Sehenswürdigkeiten, auf die Baudenkmäler und auf das kleine Kulturerbe.  Dieses Konzept soll auf ausgesuchten Strecken des insgesamt 2600 km langen Wanderwegenetzes in unserer Gegend umgesetzt werden.  Ein Pilotprojekt soll in der Gemeinde Burg-Reuland verwirklicht werden, in das die Gemeinde, der Verkehrsverein, die Ländliche Entwicklung, die Deutschsprachige Gemeinschaft u.a. eingebunden sein sollen.  Bei dieser Gelegenheit könnte auch in der Gemeinde Burg-Reuland der touristische Dachverband unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Joseph MARAITE gegründet werden.


(GRENZ-ECHO vom 12.01.2005, Bilder und Text : SIMON Herbert)

 

Belgisch-deutsche Holzkonstruktion soll noch in diesem Jahr errichtet werden


Grenzenlos Radwandern über die neue Our-Brücke bei Auel

Modell der Architekten Yves Weinand und Leo Michaelis zeigt die künftige Holzbrücke über die Our.

Die Vervollständigung des Wander- und Radwegenetzes auf den stillgelegten Strecken der Vennbahn in der Eifel schreitet voran: Zu den aktuellen Vorhaben gehört auch der Neubau einer Brücke in Auel.

So trafen sich am Dienstag, dem 21. März 2006 die Initiatoren des grenzüberschreitenden Radwanderweges auf den ehemaligen Bahnstrecken 42, 46 und 47 auf Einladung von Bürgermeister Joseph Maraite im Kulturhaus von Burg-Reuland. Es galt, das betreffende Projekt in Auel, das aus der Feder der Architekten Leo Michaelis und Yves Weinand stammt, zu begutachten.

Architekt Yves Weinand
Internationale Partner
Im Krieg ist die Our-Brücke der früheren Bahnstrecke bei Auel-Hemmeres zerstört worden. Links erkennt man einen der Brückenpfeiler

Strecke Auel-Oudler

Das Radwandern erfreut sich bekanntlich vor allem bei Familien einer wachsenden Beliebtheit. Auch in Burg-Reuland entsteht derzeit eine entsprechende Infrastruktur, deren Trägerschaft die Gemeinde ist. Der künftige Radwanderweg auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Auel und Lengeler/Luxemburg wird jedenfalls das Fremdenverkehrsangebot hierzulande bereichern. Zwar hinkt der Terminplan wegen des langen Winters um drei Monate hinter her, doch soll das Teilstück Auel-Oudler (7 km) aller Voraussicht nach im Frühsommer fertiggestellt sein.

Vennbahn

Nach Weismes-St.Vith (in Betrieb) und St.Vith-Neidingen-Steinebrück im Rahmen der Trasse St.Vith-Prüm (in Planung bzw. in Bau) soll Auel-Lengeler (14 km) das neue Radwegenetz auf der früheren Vennbahn und ihren Nebenstrecken ergänzen. Doch damit die Strecke von Auel bis zur deutschen Grenze (Ortsgemeinde Winterspelt) und via Hemmeres zur Verbindung St.Vith-Prüm weitergeführt werden kann, müssen Brücken erneuert werden.

Die Architekten Leo Michaelis und Yves Weinand stellten nunmehr das Konzept einer Holzbrücke vor, die über 40 Meter Länge und 1,4 Meter Breite als Spannkonstruktion die Flussufer des Grenzflusses Our verbinden soll. Es handelt sich um Holzbinder mit drei Elementen (1 x 18 m, 2 x 11 m) und mit einer witterungsgeschützten imprägnierten Brettbeschichtung. Als Stützen dienen die noch intakten Pfeiler der früheren Eisenbahnbrücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Kosten belaufen sich auf 140 000 Euro. Co-finanziert wird das Projekt durch Interreg-Zuschüsse sowie durch die Gemeinde Winterspelt. »Die Gelder sind im Haushalt vorgesehen. Nach Erhalt des Baurechts und der endgültigen Verabschiedung im Gemeinderat kann der Bau beginnen«, so Reulands Bürgermeister Joseph Maraite. Die Brücke soll noch 2006 fertiggestellt werden.

Skizze des Brückenbaus
Modell der Brücke

In Vorbereitung sind übrigens auch die weiteren Phasen des Radwanderweges nach Luxemburg: Oudler-Lengeler (4 km) und Lengeler-Grenze (3 km). Auf dem zweiten Teilstück muss an der MotocrossStrecke in Dürler eine weitere Brücke erneuert werden. Hierfür konnte die Gemeinde die Pioniere der Landesverteidigung als Partner gewinnen. »Wir haben ein Abkommen mit der Armee, die uns die Brücke normgerecht errichten wird. Die Soldaten werden mit den Materialien bauen, die wir ihnen zur Verfügung stellen. Daher müssen wir jetzt abklären, wie diese Brücke aussehen soll«, sagte Joseph Maraite. Ferner muss der Bahnübergang in Lengeler, wo der Radweg die viel befahrene Landstraße N62 St.Vith-Luxemburg überquert, gesichert werden. Von Lengeler aus soll die Strecke vorerst über einen - allerdings ansteigenden - Feldweg nach Huldingen geführt werden, wo die Anbindung an das luxemburgische Radwegenetz bewerkstelligt wird. Die Wiedereröffnung des 700 Meter langen Grenztunnels wäre sicherlich eine zusätzliche Bereicherung.

Ebenfalls soll zwischen Oudler und Lengeler ein »Freiluft-Museum der Grenzsteine« geschaffen werden, um die bewegte Geschichte dieser Grenzregion und der Bahnlinie 42 zu dokumentieren. Auch alte Streckenpläne, die die Bahngesellschaft zur Verfügung stellte, sollen in diese Dokumenation eingebunden werden. Solche Ruheplätze und Attraktionen fördern nicht zuletzt das Erlebnis, das mit dem Radwandern einhergehen soll.

Historischer Bahnhof als zentraler Rastplatz

Im Zuge des geplanten Radwegenetzes auf der früheren Vennbahn könnte nach Einschätzung des St.Vither Bürgermeisters Christian Krings auch der historische Bahnhofs von Lommersweiler wieder instandgesetzt und als zentraler Rastplatz genutzt werden. Wohlwissend, dass den Nutzern der Strecke eine angemessene Infrastruktur geboten werden muss. »Ein ähnliches Gebäude wie der ursprüngliche Bahnhof, der als eine Art Blockhaus spartanisch konzipiert war, würde diesen Anforderungen genügen. Auch wären sicherlich weitere Zweckbestimmungen möglich«, meinte Krings.

Verknüpfung

Der große Zuspruch auf der bestehenden Strecke Weismes-St.Vith zeige, dass der Radwandertourismus für alle Gemeinden von Vorteil sei. Auch der Direktor des Verkehrsamtes der Ostkantone (VAO), Manfred Dahmen, lobte die Initiativen in diesem Bereich: »Wir verfügen in Ostbelgien über 180 Kilometer stillgelegte Eisenbahnstrecken, die allesamt zu einem globalen Radwandernetz zusammengefasst werden könnten«. Zusammen mit der »Velo-Tour« könnte man dem Feriengast ein anspruchsvolles Angebot unterbreiten und sich im internationalen Wettbewerb durchaus messen: »Doch wir brauchen Verknüpfungspunkte, damit der Begriff Raderlebnis zum Schlagwort für die touristische Zukunft unseres Gebietes werden kann«.

Hilfestellung bei der Aufwertung des Streckenberings leistet übrigens die Juniorenkammer (JCI) St.Vith, die mit dem Wettbewerb »Wood Venture - Innovative Anwendungen im Holzbau« neue Projekte sucht. Marcel Hahn (JCI) erhofft sich vor allem von den Zielgruppen - Schreiner, holzverarbeitende Betriebe, Schulen, Universitäten sowie Bastler, Künstler und Tüftler - innovative Impulse rund um den Naturrohstoff Holz.

Holzbau

Unter dem Motto »Live in - Work out - Have fun« soll das Holz in all seinen Facetten verarbeitet werden. Eine erste Phase, die noch bis zum 31. März läuft, sieht die Auswahl der zu verwirklichenden Objekte vor. Vom 12. Mai bis zum 15. November sollen dann die entsprechenden Holzmodelle angefertigt werden, bevor die Gewinner im Dezember diesen Jahres bekannt gegeben werden.

»Wir möchten nur Impulsgeber sein und den politisch Verantwortlichen Ideen bieten. Die Realisierung überlassen wir dann den Gemeinden«, schlussfolgerte Marcel Hahn.

 

(GRENZ-ECHO vom 23.03.2006 Bilder und Bericht von Gerd HENNEN)


Neue Nutzung für die frühere Bahnlinie 47 als Radwanderweg / Ein Blick zurück


Statt Dampfrösser jetzt Drahtesel und Fußgänger...
Nach über 40 Jahren Dornröschenschlaf wurde, die frühere Bahnlinie 47 am Samstag, dem 29. Juli 2006 offiziell als Radwanderweg in Dienst genommen, vorerst auf dem Teilstück Auel-Oudler.

Es verkehren keine Dampfrösser mehr auf dieser historischen Strecke, fortan werden Drahtesel und Fußgänger den sieben Kilometer langen Abschnitt zwischen Auel und Oudler bevölkern. Mit diesem viel beachteten Projekt der Gemeinde Burg-Reuland wird ein weiteres Teilstück der früheren Vennbahn zu neuem Leben erweckt. Und Erinnerungen an die Bahngeschichte der Eifel werden wach.

Im Jahre 1883 vereinbarten die Regierungen des Deutschen Reiches und des Großherzogtums Luxemburg den Bau einer Bahnverbindung von St.Vith nach Ulflingen. Diese Strecke zweigte in Lommersweiler von der Vennbahn ab und führte über Auel, Reuland, Oudler und Lengeler nach Luxemburg. Am 1. Juli 1886 erfolgte die Prüfung der Pläne: Die Strecke wurde abgegangen, alle Bemerkungen wurden schriftlich festgehalten.

1889-1952

So wurde beispielsweise eine Güterladestelle in Lengeler angeregt, um die umliegenden Dörfer zu entlasten. Der Bau der Strecke war mit großen Schwierigkeiten verbunden. Besonders kostspielig erwies sich der Bau der Tunnel zwischen Lommersweiler und Hemmeres (386 m), und zwischen Lengeler und Wilwerdingen (790 m). Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Strecke am 4. November 1889 offiziell eröffnet.

Bedeutung erlangte die stets eingleisig befahrene Eisenbahnlinie 47 durch den regen Güterverkehr zwischen dem Aachener Kohlerevier und dem luxemburgisch-lothringischen Erzbecken.

Verlängerung

Als Verlängerung der Vennbahn Aachen-Monschau-Weismes-St.Vith hatte sie täglich über 100 Züge zu bewältigen. Am 10. Mai 1940 marschierten deutsche Truppen in Belgien ein. Die Bahnlinie Lommersweiler-Ulflingen erlitt in den Monaten vor und während der Ardennenoffensive das gleiche Schicksal wie die Vennbahn: Deutsche Truppen sprengten bei ihrem Rückzug im September 1944 die Ourbrücke bei Hemmeres. Auch andere Bahnbrücken wurden zerstört. Mit der Sprengung der Ourbrücke bei Hemmeres im Herbst 1944 war die durchgehende Verbindung zwischen Aachen und Luxemburg für immer unterbrochen.

Bis 1952 lief noch ein örtlicher Güterverkehr zwischen Ulflingen und Reuland. Zwei Jahre später wurden die Gleise abgebaut.

Auch der 29. Juli 2006 wird in die Geschichte der Bahnlinie 47 eingehen: Dann nämlich ist Neueröffnung der Strecke zwischen Auel und Oudler als Radwanderweg.


Die Lokomotive ließ die Postkutsche hinter sich


Eine Berichterstatterin beschrieb die Jungfernfahrt auf der Linie 47 am 4. November 1889 wie folgt: »Nachdem um 6 Uhr das Material aus Wagen und Maschinen sowie das nötige Personal von Luxemburg eingetroffen war, fuhr der erste Zug fahrplanmäßig um 6.57 Uhr ab. Über Lommersweiler und Hemmeres erreichte er die an der Our gelegene Station Reuland. Der Bahnhof liegt ca. 20 Minuten vom Ort entfernt. Der Schienenweg selbst führt jedoch nur zwei Minuten vom Ort entfernt. Man konnte sehen, wie das malerisch unten im Tal gelegene Dorf geflaggt hatte. Von der alten Reuländer Burg wurde dem vorbeifahrenden Zug ein donnernder Gruß zugeschickt, welchen die Lokomotive mit einem kräftigen Pfiff erwiderte.

Nicht weit von Reuland hatten wir Gelegenheit, einen Wettlauf zwischen dem früheren Verkehrsmittel - der nun bald seligen Postkutsche - und dem jetzigen modernen - der Lokomotive - zu beobachten. Die im gemütlichen Trott unten auf der Chaussee den schwerfälligen Wagen daherziehenden Gäule wurden auf wiederholtes ermunterndes Winken von uns von dem Postillion in schnellste Gangart versetzt. Auf der Lokomotive hat man dieses Manöver bemerkt und es wurde mehr Dampf gegeben, und dahin stampfte das eiserne Ross seine Kollegen von Fleisch und Bein bald weit zurücklassend.

Die Strecke von Reuland nach Lengeler zeichnet sich durch Wegüberführungen, Viadukte und hohe Dämme aus. Auf dem Bahnhof Lengeler werden die Reisenden von preußischen Zollbeamten nach zollpflichtigen Sachen durchsucht. Von Lengeler gelangen wir durch einen 800 m langen Tunnel nach Wilwerdingen in Luxemburg. Die guten Luxemburger hatten die Böller derartig verstopft, dass nach dem endlichen Losgehen des ersten Schusses gleich durch den kolossalen Luftdruck verschiedene Fenster des nahe gelegenen »Restaurant de la Gare« zersprangen...“