BRAUNLAUF im 19. Jhdt.

Dass Braunlauf nicht von den Notzeiten verschont blieb, die dem 19. Jahrhundert einen besonders grausamen Stempel aufdrückten, ist nur allzu verständlich.  Herrschafts- und Nationalitätswechsel, französische Besetzung, napoleonische Kriege, die daraus resultierenden Truppeneinquartierungen und Requirierungen ließen unsere arme Eifel in einem ruinösen Zustand zurück.

1814 wurde unser Gebiet als Resultat des Wiener Kongresses Preußen zugeteilt.  Die neuen Herren brachten für die hiesige Bevölkerung wohl kaum eine Verbesserung der Lebensverhältnisse.  Die Landwirtschaft, als einzige Erwerbsquelle, erlaubte es den Menschen nicht immer, sich das Allernotwendigste zu beschaffen.  Verbindungen zu größeren Städten bestanden nicht, so dass die landwirtschaftlichen Produkte in der nächstliegenden Kleinstadt St.Vith verkauft wurden.  
Als Transportmittel dienten damals Hotten, d.h. Tragkörbe.  
Der magere Erlös wurde auf dem Wege des Tausches eingehandelt.

Die Existenz der nahe verlaufenden Grenze zum 1830 gegründeten Königreich Belgien ermöglichte es vielen, den Schmuggel zum Aufbessern ihrer kargen Einkünfte zu betreiben.  Es war eine willkommene Gelegenheit, sich durch Schmuggel von Salz, Tabak und später Streichhölzern und Kaffee einen allerdings mühseligen und risikoreichen Nebenerwerb zu sichern, denn gefahrlos war dieses Unterfangen auch damals ganz und gar nicht.  Dies bezeugt ein Wegekreuz, das im Volksmund "Voss se Kregs" genannt wird.  
Es steht an der Kreuzung des Weges Maldingen-Hinderhausen und Comanster-Braunlauf.  Gefertigt aus Rechter Blaustein trägt es die Inschrift „Der du rastlosen Fußes der Erde Weiten durchzogen, O Wanderer, welches Los hat dich umstrickt".  Zur frommen Erinnerung an Servatius Hermann aus Braunlauf, der hier in der Nähe im Alter von
28 Jahren am 12. Oktober 1881 verstorben ist.

Servatius Hermann war auf einem Schmuggelgang von Zollbeamten erschossen worden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen die neu entstehenden Industriegebiete große Teile der Landbevölkerung an.  So wanderten auch viele Braunlaufer Familien ins Ruhrgebiet, nach Lothringen oder in die Lütticher Gegend ab.

Einige zog es noch weiter, so zwei Brüder der Familie Heintzen, die 1890 nach Amerika emigrierten.  Noch heute liegen etliche Äcker in Braunlaufs Fluren, die Amerikanern gehören.  Diese Ländereien werden durch einen Notar in Treuhand verwaltet, da die Nachkommen der Brüder Heintzen das Erbe nicht antreten konnten.