Dorfwettbewerb 2013

Dorfwettbewerb 2013: „Unser Dorf soll Zukunft haben“ feierte Maldingen als Siegerdorf

Ansporn zu noch größerer Partizipation

Die Vertreter der teilnehmenden Ortschaften Maldingen, Lascheid-Richtenberg, Mürringen, Schönberg und Herresbach mit Ministerin Isabelle Weykmans.

Im Rahmen des Dorfwettbewerbs „Unser Dorf soll Zukunft haben“, der seit zehn Jahren von den Ländlichen Gilden im Auftrag der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft ausgerichtet wird, galt es am vergangenen Freitag, dem 06.09.2013 das diesjährige ostbelgische Siegerdorf Maldingen zu feiern.

In einem Festzelt hatten sich sowohl politische Honoratioren als auch zahlreiche aktive und in den Dorferneuerungsprozess involvierte Bürger zusammengefunden, um die erfolgreiche Teilnahme an diesem doch bedeutenden Wettbewerb Revue passieren zu lassen.

Der Dorfwettbewerb findet im Zweijahresrhythmus statt und zielt darauf ab, den Bürgern die Augen zu öffnen, damit interne Schwächen und Probleme in Eigendynamik und Harmonie gelöst sowie Stärken noch besser hervorgehoben werden können.

Wettbewerb ist für Teilnehmer vor allem eine Standortbestimmung.

„Wenngleich der Name Wettbewerb gewählt wurde, handelt es sich keineswegs um einen verbissenen Kampf auf Biegen oder Brechen, sondern vielmehr um eine von internationalen Fachleuten begleitete Standortbestimmung, mit der eine zukunftsorientierte Dorfentwicklung mit lokalen Akteuren bewerkstelligt werden kann“, so die Einschätzung von Gerd Brüls von den Ländlichen Gilden. Neben dem Siegerdorf Maldingen hatten sich ebenfalls die Ortschaften Hergenrath, Herresbach, Hünningen/Büllingen, Lascheid/Richtenberg, Mürringen und Schönberg der Fachjury um Kommissionsleiter Michael Schaloske gestellt.

Dabei konnten einige Feststellungen gemacht werden, die eine kontinuierliche Verbesserung der Lebenssituation und der Lebensqualität in den Ortschaften Ostbelgiens untermauern.

So sei die Qualität der eigentlichen Präsentation in den vergangenen sechs Wettbewerben stets gestiegen und die Reflektion über die Zukunft des eigenen Dorfes finde auf einem beachtlich hohen Niveau statt. Als wesentliche Trümpfe nannte die Jury zudem den ausgeprägten Gemeinschaftssinn, der als Motor der positiven Dorfentwicklung ausgemacht wurde. Ferner sei durch die externe Analyse auch ein Prozess der Veränderung begonnen worden. Alle Dörfer hätten erkannt, dass der Weg das eigentliche Ziel darstelle und die Dorfentwicklung ein mittel- und langfristiger Prozess ist, bei dem ein langer Atem erforderlich sei. Somit sei die Analyse ein wichtiger Impuls für aktive Dörfer, sich auf den Weg in eine bessere Zukunft zu machen.

Ausschlaggebend für den Sieg Maldingens war nach Aussage der Jury das hohe Maß an Problembewusstsein sowie das gute Leitbild. Aus dieser Analyse sei ein gut durchdachter Aktionsplan mit klaren und vor allem realistischen Prioritäten entstanden, der mit hohem Bürgerengagement und die Bereitschaft, Fachkompetenz in die Prozesse mit einzubinden, bereits erste Erfolge feiern konnte. So konnte beispielsweise eine Dorftränke sowie der Eingangsbereich der Kirche in Eigenregie hergestellt werden, was neben der Zusammenarbeit innerhalb der Dorfgemeinschaft vor allem die hohe Sensibilität der Bürger für alte und auch für neue Bausubstanz widerspiegelt. Auch im Bereich der Verkehrssicherheit sind Verbesserungen festzustellen. „Wenngleich der Wettbewerb einen Sieger hervorbringen müsse, der die DG-Farben beim Europäischen Dorfwettbewerb 2014 im schweizerischen Vals vertreten wird, können alle teilnehmenden Ortschaften als Gewinner bezeichnet werden“, so Gerd Brüls weiter.

Auch für den Verantwortlichen des Maldinger Dorfkomitees, Jakob Thommessen, war die Siegerehrung nur der Beginn eines gerade begonnenen Abenteuers, auf das sich die Mitbewohner voller Elan und Dynamik eingelassen haben. „Unsere Geselligkeit und unsere Harmonie werden uns für die Zukunft ermutigen und die verschiedenen Generationen in Schwung halten. Somit bleiben wir auch weiterhin unserem Slogan „Hier zu leben ist es uns wert!“ treu und werden weiter versuchen, diese Wertschätzung in Zukunft noch zu steigern“, erklärte Thommessen in Versform.

Das Dorfkomitee freut sich über neue Mitstreiter in seinen Reihen.

Zeichen für einen weiteren Aufschwung sei zweifelsohne die personelle Aufstockung des Dorfkomitees, das sich die Analyse und Verbesserung der Themenbereiche Infrastruktur, Soziales, Ökologie, Vereinswesen und Wirtschaftsförderung auf die Fahne geschrieben hat. Auch die neu geschaffene Internetpräsenz (www.maldingen.be) untermauert seit einiger Zeit den „lebenswerten Dorfcharakter“. „Wir haben den Prozess begonnen und müssen nun stets aktualisieren, nachbessern, uns neu orientieren, ohne aber aus den Augen zu verlieren, dass der Mensch im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen muss“, so Jakob Thommessen abschließend.

Kulturministerin Isabelle Weykmans lobte das Engagement der Bürger, sich konkret Gedanken über die Zukunft und die Entwicklung ihrer eigenen Ortschaft zu machen. „Durch dieses Sich-Auseindersetzen können Probleme begutachtet und mitunter völlig neu beurteilt werden, so dass Lösungen einfacher zu finden sind. Die DG ist ein ländliches Gebiet mit über 140 Ortschaften. Dorfentwicklung stellt unweigerlich auch die Basis für eine gesunde Entwicklung der gesamten Region dar“, so die Ministerin. Nur von der Basis aus könnten auch europäische Herausforderungen wie beispielsweise Mobilität, die soziale Entwicklung, die Wirtschaft und auch die Kultur gemeistert werden. „Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir unser 2008 begonnenes regionales Entwicklungskonzept dank dieser Arbeit an der Basis bis zum Jahre 2025 erfolgreich vorantreiben.“ Unabdingbar für den Erfolg seien hier aber die Partizipation und die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich auf Alternativen einzulassen, erklärte Isabelle Weykmans.

Auch Dr. Carlo Lejeune bezeichnete den Dorfwettbewerb in seiner Vorstellung als wichtigen Impulsgeber, um die anstehenden Herausforderungen der Zukunft in Gemeinschaftlichkeit zu meistern und verglich die Dorfentwicklung mit dem Besteigen eines Berges: „Es gibt Weggabelungen, wo man sich für eine Richtung entscheiden muss, es gibt mühsame Anstiege, die dem Bergsteiger wirklich alles abverlangen und es gibt auch Irrwege, die zwischenzeitlich zu einer Umkehr und einer Neuorientierung auffordern. Schlussendlich aber wachse der Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfelkreuz“, meinte Dr. Carlo Lejeune. Das Siegerdorf Maldingen bekam aus den Händen des ÖKLE-Vorsitzenden Jérôme Gennen einen Scheck in Höhe von 900 Euro überreicht, bevor Ministerin Isabelle Weykmans allen „Gewinnern“ die Ehrenurkunde aushändigte.

Im schweizerischen Vals beim europäischen Dorfwettbewerb

Der Festakt in Maldingen wurde musikalisch durch den Königlichen Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ sowie den Königlichen Männerchor „St. Johann“ untermalt. Die Schulkinder sowie die Theatergruppe „Fröhliche Runde“ boten weitere kurzweilige Einlagen, bevor Monique Kelleter vom Siegerdorf 2011 aus Walhorn ihre Eindrücke der Teilnahme am Europäischen Dorfwettbewerb vermittelte. „Monique Kelleter hat wirklich Lust auf mehr gemacht und wir können sicher auch von Maldingen noch einiges erwarten“, meinte Gerd Brüls abschließend. Maldingen wird 2014 am europäischen Dorfwettbewerb im schweizerischen Vals teilnehmen und im Kreis von über 1.000 Dorfaktivisten aus 30 europäischen Regionen unter dem Motto „besser leben“ für die Deutschsprachige Gemeinschaft als Botschafter der Dorfentwicklung fungieren.

Weitere Infos: Ländliche Gilden – Verein für Bildung Dorf und Land VoG. Malmedyer Straße, 63 4780 St.Vith, Tel. 080/410060, www.dorfwettbewerb.be Email: gerd.bruls @bauernbund.be

(GRENZECHO vom 09.09.2013 Bilder und Text von Gerd Hennen)

Große Freude: Für die Maldinger war der Sieg beim Dorfwettbewerb eine schöne Belohnung für den an den Tag gelegten Zusammenhalt.

Die Vertreter der teilnehmenden Ortschaften Maldingen, Lascheid-Richtenberg, Mürringen, Schönberg und Herresbach.