Naturentwicklung

Neben dem Kommunalen Programm zur Ländlichen Entwicklung hat die Gemeinde Burg-Reuland die Umsetzung eines Kommunalen Naturentwicklungsplans (KNEP) und eines Mayaplans beschlossen. Beides sind Naturförderprogramme der Wallonischen Region.

Die in diesem Rahmen durchgeführten Projekte und Aktionen werden ebenfalls in den ÖKLE-Sitzungen thematisiert.


Ziel des KNEP ist es, unter Einbeziehung der Bürger die biologische Vielfalt auf kommunaler Ebene zu erhalten, zu entwickeln oder wiederherzustellen.

Beim Mayaplan geht es etwas spezifischer darum, durch fortlaufende Aktionen der Gemeinde Bienenvölker und andere blütenbestäubende Insekten zu schützen, um die Artenvielfalt zu erhalten und zu erhöhen und dadurch unsere Versorgung mit  Nahrungsmitteln sicherzustellen.

Typische Aktionen (KNEP&Mayaplan)

  • Imkerbepflanzungen: Blumenwiesen, Obsthaine, Baumreihen, Hecken (Pflanzenverteilung „Bienenweide“, Pflanzaktionen mit Schulen, …)
  • Schutz von Flora und Fauna entlang der Straßen (Späte Mahd-Konvention)
  • Informationen über Naturthemen (Artikel, Treffen, Besichtigung, eine Woche der Bienen)
  • So wenig Pestizide wie möglich einsetzen (Endziel = vollständiger Verzicht)
  • Geführte Naturwanderungen
  • Naturanimationen für Kinder (Bau von Vogelkästen, Insektenhotels, …)

Hier finden Sie eine Darstellung der Naturentwicklungsprojekte

 

Grenzecho vom 19.04.2013 von Herbert Simon

KNEP : Zwischenbilanz des Naturentwicklunsgplans in der Gemeinde Burg-Reuland/Ergänzung der Ländlichen Entwicklung 

Mit bescheidenen finanziellen Mitteln, aber großem Engagement und guten Ideen viel Positives für die Natur erreichen, das ist in etwa zusammengefasst das Konzept des Naturentwicklungsplans (KNEP), dem auch die Gemeinde Burg-Reuland seit vier Jahren angeschlossen ist.

Der KNEP versteht sich gewissermaßen als Ergänzung des Förderprogramms der Ländlichen Entwicklung (LE) und wird von der Wallonischen Region (WR) jährlich mit 5000 Euro Beihilfen unterstützt. Dazu kommen noch 2500 Euro über den so genannten Maya-Plan sowie weitere punktuelle Subsidien aus weiteren Finanzquellen, so etwa über den Naturpark Hohes Venn-Eifel.

Viele Partner wirken am KNEP mit

Viele Partner wirken bei diesem ehrgeizigen Gesamtvorhaben mit, so die Gemeinde Burg-Reuland, die ÖKLE (Örtliche Kommission der Ländlichen Entwicklung), die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) Ostbelgien, die Forstverwaltung, Dorfkomitees, der Naturpark, Ehrenamtliche, die Agrarverbände, die Naturschutzvereinigungen (AVES-Ostkantone, BNVS-Natagora), der Imkerverein St.Vith und Umgebung usw.

Unter der Anleitung des kommunalen KNEP-Vorsitzenden Jérôme Gennen und der WfG-Mitarbeiter Anne Weishaupt und Björn Hartmann konnte in dieser Woche bei einer Zusammenkunft der verschiedenen Akteure im Reuländer Kulturhaus eine vielversprechende Zwischenbilanz gezogen werden.

Rund 100 Projekte stehen auf der Liste

Kreativität ist angesagt. In der Auflistung des KNEP in Burg-Reuland stehen an die 100 Projekte. Davon sind, so Jérôme Gennen, 59 Prozent entweder gestartet, beendet oder in der Ausführung. Die übrigen sind in Planung (15 Prozent) oder warten darauf, angepackt zu werden (26 Prozent). Zu den vielen Maßnahmen, über die das GrenzEcho schon berichtet hat, zählen Gestaltungs- und Pflegearbeiten auf öffentlichen Plätzen oder in Naturschutzgebieten, Bepflanzungen und Begrünungen, Informations- und Bewusstseinskampagnen, die Einrichtung eines Insektenhauses im Kultur- und Begegnungszentrum (KUZ) in Burg-Reuland, Animationen für die Schulkinder usw. usw.

Beteiligung der Schulen auf freiwilliger Basis

Einige herausragende Projekte, die größtenteils abgeschlossen sind, wurden näher unter die Lupe genommen. Schulleiter Walter Schlabertz rief eine Reihe Initiativen in Erinnerung, die darauf abzielen, die Kinder an die Umwelt, an Fauna und Flora heranzuführen, denn hier gebe es durchaus Defizite. Das hier angeeignete praktische Wissen entspreche auch den Vorgaben der Schul-Rahmenpläne. So fand noch im Herbst 2012 eine Baumpflanzaktion statt. Die Erkundung des Hohen Venns oder die Entwicklung der Natur im Reigen der vier Jahreszeiten wecken ebenfalls das Interesse der Kinder. Aber auch an Projekten wie dem Obsthain in Thommen, dem Obstgarten in Braunlauf oder der Dorftränke in Maldingen sollen die Lehrer und die Schüler beteiligt werden. Dabei geschieht die Mitarbeit der acht Gemeindeschulen wohlgemerkt auf freiwilliger Basis.

Auf 2003/2004 geht die Akte „Dorftränke in Maldingen“ zurück, wie Jakob Thommessen seitens der Dorfgemeinschaft Maldingen ausführte. An diesem Standort, der völlig verwuchert war, musste zunächst eine Mülldeponie entfernt werden. Mit vereinten Kräften aus öffentlicher Hand, Dorfgemeinschaft und Privatwirtschaft konnte diese Stätte nach und nach aufgewertet werden. Sie soll als kleines, aber feines Kulturerbe der Ortschaft auch einen touristischen Charakter erhalten und ans Wanderwegenetz angeschlossen werden. Bis dahin soll auch eine entsprechende Informationstafel aufgestellt werden. Die Eröffnung ist für September 2013 geplant. Für den regelmäßigen Unterhalt der Anlage soll auch die Jugend, sprich der örtliche Junggesellenverein, als Zielgruppe angesprochen werden.

Der Aussichtspunkt in Richtenberg, mit naturnahem Rastplatz, Holzhütte, Tisch, Bänken, Grünanlage und Infotafel dürfte pflegeleicht sein. Hier soll, so bekräftigte seitens der Initiatoren Claudine Kalbusch, die Einweihung im Juni 2013 vollzogen werden.

Mit rund 11.000 Euro bezifferte Jérôme Gennen die Kosten für die Schaffung des Obsthains hinter dem künftigen Dorfhaus, der früheren Volksschule, in Thommen. Die Finanzierung wird über den KNEP (5000 Euro) und den Naturpark (6000 Euro) bewerkstelligt. Die Gestaltungsmaßnahmen wurden im Herbst 2012 in Angriff genommen. Auf dem 126 x 19 Meter großen Grundstück wurden 24 Obstbäume gepflanzt. Das Gelände muss neu eingesät werden. Es soll später von Schafen beweidet werden. Auch eine Blumenwiese und ein kleines Getreidefeld sind vorgesehen, genau wie eine Benjeshecke, ökologische Nischen für Insekten, Vögel, Fledermäuse oder Greifvögel. In Planung sind ein Insektenhotel und Bienenschaukästen. Auch die Obstsaftpresse soll schon mal Station in Thommen machen. Das Projekt, das sehr didaktisch ausgerichtet wird, könnte 2014 fertiggestellt werden.

HINTERGRUND

Das Programm des Kommunalen Naturentwicklungsplans (KNEP) der Wallonischen Region in der Gemeinde Burg-Reuland läuft 2013 weiter. Bis Juni muss ein neuer Antrag eingereicht werden, um in den Genuss von Zuschüssen zu kommen. Welche Projekte sollen darin vorrangig aufgenommen werden? An konkreten Vorschlägen fehlt es nicht. So könnte der marode Aussichtsturm am Thommer Berg zwischen Bracht und Maspelt erneuert werden. An der Dorftränke in Weweler müsste der Wasserzulauf wieder hergestellt werden. An der so genannten „Benzinstraße“ von Espeler nach Schmiede sollen Müllfangkörbe angebracht werden. Sie sollen dazu dienen, Abfälle, die von Pendlern aus Fahrzeugen geworfen werden, aufzunehmen. Ähnliche Initiativen in Deutschland haben gezeigt, dass sich damit die wilden Müllablagerungen an den Straßenrändern einschränken lassen. Jahr für Jahr müssen viele achtlos weggeworfene Abfälle an der Benzinstraße eingesammelt werden.

Am Radwanderweg in der Gemeinde Burg-Reuland sollen Sichtfenster geschaffen werden. Am Thommer Weiher könnte in Zusammenarbeit mit AVES-Ostkantone eine Vogelbeobachtungsstation eingerichtet werden. Die Meinungen darüber, ob die Uferbegrünung mit Anpflanzungen an Wasserläufen Sinn macht, gingen bei der Informationsversammlung in Burg-Reuland auseinander. Am Radwanderweg in Burg-Reuland ist ein Naturlehrpfad in Planung. Damit eine Brücke über die Ulf als Verbindung zwischen dem Kulturhaus in Burg-Reuland und dem Radwanderweg gebaut werden kann, bedarf es zunächst der entsprechenden Genehmigungen.

„Ein Fleckchen Erde voller Leben“: Unter diesem Motto stand ein Impulsreferat der engagierten Bäuerin Andrea Fasch aus Lanzerath beim KNEP-Treffen im Kulturhaus in Burg-Reuland. Sie zeigte auf, wie man einen Bauerngarten sehr naturnah gestalten kann und beschrieb ihre 400 Quadratmeter große Anlage. „Jeder sollte einen kleinen Biotop einrichten“, gab sie den aufmerksamen Zuhörern mit auf den Weg und sparte nicht mit nützlichen Ratschlägen. Das ist Naturförderung pur, aus privater Initiative heraus. Interessenten können sich bei einem Hoffest am Sonntag, 2. Juni, ein Bild davon machen.

Die Jugend in den Naturschutz einbeziehen: Auch das ist eines der Leitlinien des Kommunalen Naturentwicklungsplans (KNEP). Die Erfahrung zeigt, dass dieses Unterfangen durchaus gelingt, wenn die jungen Leute gezielt für praktische Aufgaben angesprochen werden.

Wie schon in den 1970er und 1980er Jahren beim Förderprogramm der „Ländlichen Entwicklung“ der Wallonischen Region - damals hieß es noch „Ländliche Erneuerung“ - der Fall, ist Burg-Reuland auch eine der Pilotgemeinden hierzulande für den KNEP. Eingeleitet wurde der Naturentwicklungsplan hier im Jahr 2009.

In einer Studie des Naturparks zum Auftakt des KNEP in Burg-Reuland wurden 2,3 Prozent des gesamten Gemeindegebietes als „biologisch wertvolles Kerngebiet“ bewertet. Das Wasser ist eines der prägende Elemente im Naturhaushalt: 251 km Fließgewässer, die letzten Populationen der Flussperl-muschel im Our-Becken, weite Talauen und offene Landschaften mit Feuchtwiesen. Ziel des KNEP ist es, die Kerngebiete und das Gewässernetz zu erhalten und aufzuwerten. Dies unter Einbeziehung der Bevölkerung und in Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Als Schwäche wurde u.a. diagnostiziert: „Das ökologische Netzwerk ist nicht sehr stark ausgeprägt.“ Hier muss also eine Verdichtung erfolgen.


Aussichtspunkt Richtenberg
Obsthain in Thommen