Dorfwettbewerb Maldingen

Dorfwettbewerb: Jury machte es sich mit der Entscheidung nicht leicht – Ausschlaggebend war enorme Vereinsaktivität und Reflexion

GrenzEcho vom 18.06.2013 Text von Gerd Hennen

Maldingen

Am Sonntagnachmittag wurde Maldingen zum Sieger des Dorfwettbewerbes 2013 gekürt.
Die zehnköpfige Jury hatte die Entscheidung nach langen Diskussionen getroffen.

Der Sieg und die Platzierungen seien eher zweitrangig, sagte Koordinator Carlo Lejeune. Vielmehr gehe es um eine gezielte und nachhaltige Standortanalyse, durch die die eigentliche Dorfentwicklung ermöglicht werde. „Natürlich ist es wichtig, dass die einzelnen Dorfgruppen und Kommissionen ihre Ortschaft von der Schokoladenseite präsentieren. Doch die Stärken-Schwächen-Analyse deckt so manches Problem auf, das mit vereinten Kräften, Engagement und vor allem Kreativität oft schnell gelöst werden kann.“

Natürlich herrschte in Maldingen am Sonntagnachmittag großer Bahnhof und vor allem große Freude über den Sieg. Der Bezirksleiter der Ländlichen Gilden, Gerd Brüls, brachte es auf den Punkt: „Heute gibt es keine Verlierer, nur Gewinner. Alle Dörfer haben sich hervorragend präsentiert“. Auch habe man bei den sogenannten Wiederholungstätern, die bereits mehrmals am Wettbewerb teilgenommen haben, deutliche Fortschritte in der Dorfentwicklung feststellen können.

Der Juryvorsitzende Dr. Michael Schaloske unterstrich in seinem Fazit ebenfalls die Qualität aller Bewerber und bescheinigte den Akteuren vor Ort eine Reflexion über die Zukunft ihres Dorfes auf beachtlich hohem Niveau. „Wir haben eine deutliche Steigerung in der Qualität der Bewerbungen, aber auch einen ausgeprägten Gemeinsinn feststellen dürfen, der ja für eine erfolgreiche und langfristige Dorfentwicklung unabdingbar ist“, so der Geodät aus Nordrhein-Westfalen. Die Jury habe zudem feststellen können, dass die Teilnehmer den Dorfwettbewerb als wichtigen Impulsgeber für die mittel- und langfristige Dorfentwicklung akzeptiert hätten. „Wir haben deutlich gespürt, dass der kurzfristige Erfolg nicht das Ziel dieser Menschen ist, sondern dass sie sich herausfordern lassen, die weitere gemeinsame Suche nach Zukunft im Dorf in den Vordergrund zu stellen.

Als allgemeines Manko der besuchten Dörfer nannte Dr. Schaloske das nicht veräußerbare freie Bauland. „Wir haben festgestellt, dass unterschwellig über dieses Thema zwar geklagt, aber auf breiter Basis kaum diskutiert wird. Wir möchten anregen, dieses Thema verstärkt in die öffentliche dörfliche Diskussion zu bringen und die Scheu zu überwinden, die Problematik anzusprechen.“

Für Ministerin Isabelle Weykmans stellt der Gemeinsinn in Ostbelgien die Lösung vieler Probleme dar.

Die DG sei zwar in Bezug auf die Dorfentwicklung nicht direkt zuständig, doch sei es wichtig, diese Partizipationskompetenzen auf breiter Ebene zu unterstützen, um die Regionalentwicklung voranzutreiben. Bei möglichen Kompetenzübertragungen der Bereiche Urbanismus und Wohnungsbau an die DG seien die in solchen Wettbewerben und Studien gewonnenen Erkenntnisse sehr wichtig, so Weykmans.

Jakob Thommessen vom Dorfkomitee Maldingen war natürlich glücklich mit der Entscheidung. Seinen Dank sprach er in Reimform aus: „Maldingen: hier zu leben ist es uns wert – dieser Leitspruch hat ich heute bewährt.“ Die Dorfgemeinschaft erkannte auch die große Verantwortung, die dieser Preis mit sich bringt: „Dieser Erfolg ist lediglich ein Etappensieg. Wir stehen nun in der Pflicht, die begonnene Dorfentwicklung mit kleinen Schritten umzusetzen“, so Jakob Thommessen.

Externe Evaluation hat Teilnahme schon lohnend gemacht.

Ähnlich positiv äußerte sich auch Claudine Kohnenmergen-Kalbusch von der Dorfgemeinschaft Lascheid-Richtenberg , die in diesem Jahr zum ersten Mal am Dorfwettbewerb teilnahm, bereits vor der Resultatsverkündung am Sonntag: „Wir haben heute aus berufenem Mund erfahren, dass wir mit unserer Dorfentwicklung auf dem richtigen Weg sind. Die Anmerkungen werden uns sicher weiterbringen. Diese externe Bewertung durch ausgewiesene Experten hat unsere Teilnahme schon lohnend gemacht“.

Bürgermeister Joseph Maraite bezeichnete die teilnehmenden Ortschaften Lascheid/Richtenberg und Maldingen als Paradebeispiele dafür, dass mit Engagement und Zielstrebigkeit eine intakte Dorfgemeinschaft kreiert werden könne.

„Hier sollen sich die übrigen 19 Ortschaften eine Scheibe von abschneiden“. Nach der offiziellen Übergabe der Siegertafel, die fortan am Ortsein- und ausgang auf die Schönheit und Eigenheit Maldingens hinweisen wird, versammelte sich die Festgemeinde im Dorfhaus zu einem gemütlichen Umtrunk.

Preisverteilung im September im Dorf des Siegers

Die Ortschaft Maldingen nahm nach 2011 zum zweiten Mal am Dorfwettbewerb teil und wurde diesmal zum Sieger ernannt. „Es war dieses Mal besonders schwierig, sodass ich Maldingen eher als ersten Gewinner bezeichnen möchte“, stellte Juryvorsitzende Dr. Michael Schaloske klar.

Ausschlaggebend für den Sieg war die enorme Dorfaktivität mit einer beispielhaften Vereinsdichte. Besonders wurde dabei die Koordination zwischen den einzelnen Vereinen deutlich. So werden verschiedene Projekte gemeinschaftlich geplant und durchgeführt.

Die Jury stellte auch ein großes Bürgerengagement in einem beständigen Nachdenken über die Zukunft des eigenen Dorfes fest. Diese kontinuierliche Reflexion sei über Jahre gewachsen und schließlich in ein zukunftsfähiges Konzept eingeflossen. Die seit einigen Jahren praktizierte Stärken-Schwächen-Analyse habe zudem zu einem hohen Problembewusstsein geführt. „Daraus wurde ein Leitbild mit breit gefächerten Zukunftsthemen entwickelt, das in kleinen Schritten umgesetzt wird“, erklärte Dr. Schaloske. Maldingen habe klare Prioritäten mit einem entsprechenden Zeitplan gesetzt ohne sich in der Umsetzung zu verzetteln oder gar das Ziel aus den Augen zu verlieren. Bestes Beispiel sei die Regionalstraße, die als Trennung des Dorfes angesehen wurde und von der Dorfbevölkerung im Konsens mit den zuständigen Behörden thematisiert werden konnte. Eine Kompromisslösung befindet sich in der Ausarbeitung.

Auch habe das Dorfkomitee sich für einen bewussteren Umgang mit dem historischen Erbe eingesetzt.

Eine gesunde dörfliche Wirtschaftskraft ohne Betriebsabwanderungen nach Luxemburg, eine gesicherte Grundversorgung vor Ort sowie eine beispielhafte Heranführung der Kinder an ökologische Themen gaben schlussendlich den Ausschlag für den Sieg Maldingens.

Wahrscheinlich im September wird die Preisverleihung zum Dorfwettbewerb in Maldingen stattfinden. Dabei wird auch eine ausführliche Informationsbroschüre über den Dorfwettbewerb 2013 präsentiert.

Im Herbst wird eine Exkursion zu guten Beispielen in die Niederlande führen, die allen Interessenten offen steht. Für die Teilnehmer sowie andere interessierte Dörfer besteht bis zum nächsten Dorfwettbewerb 2015 die Möglichkeit, Moderation bei den Ländlichen Gilden für ihre Projekte oder für die nächste Teilnahme anzufragen.

Maldingen wird die DG im Europäischen Dorfwettbewerb 2014 vertreten und an der Preisverleihung im schweizerischen Graubünden teilnehmen.(gh)

Bilder von Sonja HOUSCHEID, Gemeinderatsmitglied