Zugpferde mähen Ravel-Seitenstreifen

ATTRAKTION : Im Rahmen der Aktion
"Das Zugpferd im Dienst des Landlebens"

Seit Ende Juni werden die Ravel-Seitenränder vom Zugpferd gemäht - eine Attraktion für die vorbeikommenden Fahrradfahrer. 

Im Rahmen der Aktion „Das Zugpferd im Dienst des Landlebens“ kommen in der Gemeinde Burg-Reuland seit letztem Jahr Zugpferde zum Einsatz, wo vorher maschinell gearbeitet wurde: Seit Juni 2014 wird entlang des RAVeL-Weges mithilfe von Pferden gemäht.

Mit der Kampagne, die im vergangenen Jahr durch den Landwirtschaftsminister der Wallonischen Region, Carlo di Antonio, ins Leben gerufen wurde, solle der Einsatz von Arbeitspferden im öffentlichen Dienst gefördert werden (das GrenzEcho berichtete). Nachdem das Gemeindekollegium von Burg-Reuland über Vor- und Nachteile abgewogen hatte, entschied es, sich an der Aktion zu beteiligen.

Seit Ende Juni werden die Ränder des Ravel-Weges durch Zugpferde gemäht.

„Neben dem Einsatz der Zugpferde im touristischen und kulturellen Bereich schlug die Gemeinde vor, die Mäharbeiten entlang des 14 Kilometer langen Ravel-Wegs, von der deutschen bis zur luxemburgischen Grenze, ebenfalls mit ’echten‘ Pferdestärken erledigen zu lassen“, erklärt Koordinator Jérôme Gennen, seines Zeichens Sonderbeauftragter des Reuländer Gemeindekollegiums. Um diese Entscheidung in dem vorläufigen Dreijahresplan des Projektes zu verwirklichen, musste eine Kostenschätzung aufgestellt werden.

Das Budget des im vergangenen Jahr eingereichten Antrags belief sich für die Gemeinde Burg-Reuland auf 17.600 Euro. Mit 10.000 Euro wird das Projekt die ersten 18 Monate bezuschusst. Im Bereich der Mäharbeiten entlang des Ravels schätzte das Gemeindekollegium die Kosten verglichen mit dem Einsatz eines Schlengelmulchers ab: „Da der Kostenaufwand pro Arbeitsstunde im Vergleich zur motorisierten Pflege in etwa derselbe ist und darüber hinaus die Unterstützung seitens des Landwirtschaftsministeriums angeboten wurde, ist die Wirtschaftlichkeit dieser Methode gewährleistet“, so Gennen. „Als weitere Pluspunkte sind die Unterstützung ortsansässiger Zugpferdebesitzer hervorzuheben sowie eine umweltschonendere Arbeitsweise, die von Ravel-Nutzern als weniger störend empfunden wird.“ Zusätzlich trage das Projekt zur Entlastung des Gemeindedienstes bei, der in den Sommermonaten besonders beansprucht wird.

 Zunächst aber musste die benötigte Mähmaschine gefunden werden. Mit den Mäharbeiten ging es dann am 29. Juni in Lascheid los. Nach einer gewissen Erprobungszeit mit der mittlerweile wieder gewöhnungsbedürftigen Arbeitstechnik - einen Schritt zurück sozusagen - ging es aber zügig voran.

„Marcel Majeres aus Thommen war es, der die eingesetzte Mähmaschine auftreiben konnte und sich bereit erklärt hat, die Arbeiten durchzuführen“, erklärt Gemeinderatsmitglied Gennen.

Marcel Majeres hat bisher nur positive Erfahrungen machen können: „Die vorbeikommenden Fahrradfahrer sind begeistert und verweilen kurz, um sich das ungewohnte Bild anzuschauen.“

Zwölf Kilometer Strecke schafft das Arbeitspferd pro Tag. Außerdem muss momentan noch vorsichtig gearbeitet werden, damit nicht in Wurzelstock oder Ähnliches gemäht wird. Diese Hindernisse sollen möglichst sofort beseitigt oder zumindest gemeldet werden, sodass sie später entfernt werden können. „So können wir im nächsten Jahr noch schneller arbeiten.“

Das Ausmähen rund um die Parkbänke, Schilder und Brücken erledigt ein Kollege, der bei Problemen mit dem Mähgestell zur Hand geht. „Wenn die Gemeinde mit unserer Arbeit zufrieden ist, dann machen wir das auch gerne regelmäßig“, könnte sich Majeres vorstellen.

Ob das Mähen mit Zugpferden oder mit Schlegelmulcher besser ist, zeigen die nächsten Jahre.

Die Zufriedenheit des Gemeindekollegiums muss sich aber erst noch zeigen. „Wir haben relativ spät mit den Mäharbeiten begonnen, da erst eine Übereinkunft über den Unterhalt der Ravel-Wege getroffen werden musste und zusätzlich stand die Herausforderung im Raum, eine geeignete Mähmaschine zu finden“, erklärt Gennen. „Besser wäre es gewesen, Anfang Juni mit dem Mähen zu starten. Es kamen nämlich schon Beschwerden von Ravel-Nutzern. Das lange Gras bog sich bei Regen in Richtung des Fahrradweges - wenn zwei Fahrräder sich kreuzten, bekamen die Nutzer nasse Füße.“

Das Mähgut bleibt bei dieser Arbeitsweise natürlich unzerkleinert liegen. Es wird sich zeigen, ob die Ravel-Nutzer und die Gemeinde mit dem Ergebnis glücklich sind. In den kommenden Jahren wird die Gemeinde jedenfalls früher mit der Pflege des Ravel-Weges starten - sobald sich das Gras mit dieser Maschine mähen lässt. In zwei Jahren wird dann Bilanz gezogen und entschieden, ob Burg-Reuland weiterhin mit Pferden arbeiten möchte oder zum sonst üblichen Schlegelmulcher zurückkehrt.

Text : Grenz-Echo vom 04.07.2014 Julia Brüls
Bilder : Marion DHUR, Schöffin der Gemeinde BURG-REULAND