Weweler

Weweler, hoch oben auf dem Ourberg.
„Wewilre“ wird mit seiner Kirche urkundlich zum ersten Male im Jahre 1313 erwähnt.  Der Ort gehörte zum Hof Thommen.  
Die Herren von Manderscheid besaßen in Weweler einen Hof, der später an die von Montigny überging.

Eine der ältesten und interessantesten Ortschaften ist wohl das Dörfchen Weweler.  Es liegt in einer sattelförmigen Senkung am Ostabhang des sogenannten Ourberges.  Die Wanderwege nach Weweler sind steil und mühsam, aber der wunderbare Weitblick bis zu den Ortschaften Bracht, Auel und den Bergen von Maspelt ist eine reichliche Entschädigung für die kleinere Anstrengung.  

 

Die Kirche

Die Kirche von Weweler beherrscht die ganze Landschaft, sie ist ein verputzter zweischiffiger Bruchsteinbau des 15.-16. Jahrhunderts, mit älterem vortretendem mächtigen Westturm, fünfseitigem schmälerem Chor und der Sakristei am Kopfende.
Weweler ist unstreitig eine der ältesten Kulturstätten der Ardennen.  Der Name Weweler deutet auf fränkische Eroberer und Ansiedler hin.
In der ersten Silbe finden wir das wallonische „we, französisch „gue“, welches „Furt“, also passierbare Stelle in einem Fluß bedeutet.  
Die zweite Silbe ist ein verstümmeltes „weiler“, entstanden aus dem Lateinischen : villare, villa, also Ansiedlung, Hof.  
Und wirklich : In der Nähe von Weweler führte schon zur Zeit der Römerherrschaft ein Verbindungsweg vorbei und passierte die Our an einer Stelle heute bekannten Stelle unterhalb von Weweler.  
Bis zur Anlegung der Provinzialstraße Oudler-Bitburg mussten alle Verkehrsmittel diesen Weg benutzen.  Die zweite Silbe „weiler“ findet sich zuerst in der Schreibweise des Namens in einer Urkunde zu Anfang des 14. Jahrhunderts : Feuweiler.
Das Dorf Weweler war im Mittelalter erheblich größer als heute.  
Seine größte Ausdehnung hatte auf Lascheid zu in der großen, flachen Talmulde, die sich vom heutigen Ort, am Südhang des Ourberges hinzieht, wo man heute noch unschwer die alten Wege feststellen kann.  In den Kriegs- und Pestjahren des 17. Jahrhunderts wurde Weweler schwer heimgesucht.  Pest, Hungersnot und Krieg forderten schwere Opfer.  Wer nicht starb, wanderte aus, so dass Weweler 1672 nach den Aufzeichnungen des Pfarrers Mathhäus Breitfeld nur noch zwei bewohnte Häuser mit insgesamt 14 Bewohnern hatte.

Die heutige Kirche in Weweler ist nun aber nicht mehr der erste Bau. Diese Kirche zählt heute zu den interessantesten Sakralbauten unseres Landes und ist im spätgotischen zu Anfang des 15 Jahrhunderts erbaut.  Ein einziger Mittelpfeiler trägt ein prachtvolles Sterngewölbe, dessen Bogen in Schlusssteine mit Wappen und Fratzen auslaufen.

In den Wänden werden die Bogen teils von Säulen mit schönen Kapiteln, teils von Kragsteinen getragen.  Der Bodenbelag im Schiff wird gebildet von Grabsteinen, deren Inschriften größtenteils unleserlich sind.  Auf zwei Grabplatten kann man noch die Jahreszahlen 1562 und 1637 erkennen. 

In der Nähe des Chores ist in der Wand der Epistelseite ein Grabmal der Familie von Montigny aus dem Jahre 1790 eingelassen.

Die Kirchenfenster sind im gotischen Stil.  
Der Eingang zur Sakristei selbst trägt in ihrer Bauart unverkennbar die Spuren des 17. Jahrhunderts.  Ihre Decke bildet ein gotisches Netzgewölbe.  

Die Kirche birgt ebenfalls altes, reiches Mobiliar aus Eichenholz, das leider durch Unachtsamkeit in früheren Jahren sehr gelitten hat.  
Der Hochaltar im Stile louis XV ist sehr schön und reich mit Schnitzereien versehen.  Er ist gekrönt durch eine Statute des Kirchenpatrons, des hl. Hubertus.  Hinter den beiden Seitenaltären, Reste mittelalterlicher hl. Johannes und Einzug in Jerusalem). 

65 Jahre lang war der schwere bruchsteinere Westturm mit einem hässlichen Notdach aus dem Jahre 1918 versehen.  Als Folge eines Blitzeinschlages brannte der hohe Turmhelm im Renaissancesteil vollends nieder.  Insgesamt dreimal wurde dieser Turm Opfer eines Blitzschlages : 1678, 1711, 1918.  Hierbei sind auch die Glocken, die Anfang des 15 Jahrhunderts von dem berühmten Glockengießer Jan van Trier aus Aachen gegossen worden, heruntergefallen und geborsten.   Die Glocken wurden aber später auf den alten Ton umgegossen.  Ulm die schmucke Kirche liegt auch der alte Friedhof.  Schon von weitem erblickt man die Grabkreuze.  Seit nunmehr fast zwanzig Jahre hat die Weweler Kirche wieder ihren schmucken Westturm.  Kostspielige Restaurierungsarbeiten ließen die Verantwortlichen von Gemeinde und Pfarre in den Jahren 1984 und 1985 durchführen, so dass die Bergkirche wieder in neuem Glanz erstrahlen konnte.  Fachkräfte nahmen u.a. Abdrücke von den alten vorhandenen Fresken.  Das Dach, der Glockenturm und die Innenausstattung wurden erneuert.  Ebenfalls wurden neue Fenster eingesetzt. Der erste nachweisbare Pfarrer war Nicolaus  im Jahre 1495.  Alle Pfarrer wohnten in Reuland, wo sie den Dienst an der Burgkapelle mit versehen mussten.  Seit dem Jahre 1803 hat Weweler keinen eigenen Geistlichen mehr.   Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche in Weweler bei Kämpfen mit den Lothringern und Hessen entweiht.  Die Neukonsekration der Kirche und der Altäre erfolgte 1665.  Bis dahin behalf man sich bei dem Gottesdienst mit einem transportablen Altar.  Von der ältesten Anlage des 13. Jahrhunderts ist vermutlich der Turm der jetzigen Kirche erhalten geblieben.  Die heutige Kirche kann man als Kleinod unter den ostbelgischen Kirchen bezeichnen.  Sie ist nämlich einmalig in ihrer Art.

700-Jahrfeiern : Am 27. und 28. Juli 2013 lud Weweler zum großen Jubiläum ein.

Grenzecho vom 25.07.2013 Text und Bilder von Herrn Gerd Hennen.

Wewilre hat römische Wurzeln

Das am Zusammenfluss von Our und Ulf gelegene Dörfchen Weweler kann auf eine beachtliche Vergangenheit zurückblicken. Am Wochenende lädt das Dorfkomitee zur 700-Jahrfeier ein. Grundlage hierzu ist die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes im Jahr 1313 gedacht wird.

Damit begann laut Peter Zeyen und Hobbyhistoriker Willy Wittrock offiziell die Geschichte der Ortschaft Weweler, doch seien Spuren aus der Römerzeit Indiz für eine viel frühere Besiedlung.

Wichtigster Hinweis auf die deutlich frühere Entstehung Wewelers sind bei der Verlegung der Wasserleitung im Jahre 1908 auf der Flur Leichenheldt ausgegrabene Tonscheiben. Der Heimatforscher Charles Dubois sowie der Dorflehrer Marcel Feller wiesen diesen Fund den römischen Besatzern zu. „Die Tonscheiben sind wahrscheinlich Überreste einer römischen Villa.“ Einen weiteren Hinweis für eine Existenz der Ortschaft zur Römerzeit erkennt Willy Wittrock indes in der Flurbezeichnung „Am Quart“, südöstlich des Weweler Ortskerns. Quart lasse sich von dem Lateinischen „Ad Quartum“ ableiten und bedeute demnach ein Viertel einer römischen Wegstrecke. Die Römerstraße zwischen Trier und Antwerpen verlief an Weweler vorbei, wobei die Distanz zwischen Trier und Weweler tatsächlich ein Viertel der Gesamtstrecke ausmache.

Unter Umständen ein römischer Verkehrsknotenpunkt

„Vielleicht war Weweler zur Zeit der römischen Besiedlung sogar ein Verkehrsknotenpunkt für Handelsreisende zwischen den beiden Metropolen?“, bemerkt Willy Wittrock weiter. Die Etymologie des Ortsnamens gibt ebenfalls Anlass zu verschiedenen Deutungen. „Wewilre“ oder auch „Wiewylre“ könne auf die Endung „Weiler“ zurückzuführen sein. Diese Endung entstammt laut Sprachforschern der Zeit zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert. „Der römische Ursprung ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen, wenngleich er geschichtlich kaum noch zu belegen sein dürfte“, meinte Willy Wittrock. Wahrscheinlich stammt der Name von fränkischen Eroberern und Siedlern, die dem Weiler den Ortsnamen „passierbare Stelle in einem Fluss“ gaben.

Der Dorfkern habe sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. So sei dieser im Jahre 1313 bei der ersten urkundlichen Erwähnung um die Kirche herum ausgerichtet gewesen. Zeitzeugen dieser Siedlung sind die ältesten noch existierenden Häuser Pinten (1742) und Kolven (1749). In einer Übersicht der „kleineren Archive der Rheinprovinz mit Tauf-, Heirats- und Sterberegister der Ortschaft Weweler aus dem Jahre 1663“ weist der Koblenzer Archivar Johannes Krudewig 1909 auf eine enthaltende Urkunde aus dem Jahre 1313 hin. „Die Urkunde gilt als verschwunden und lediglich der Hinweis im Register gilt als Beleg der Existenz Wewelers als Ortschaft und Pfarrkirche.“ Nichtsdestotrotz ist die Präsenz eines Gotteshauses in Weweler realistisch und somit geschichtlich nahezu gesichert, da undatierte Urkunden aus dem 14. Jahrhundert dies ebenfalls bestätigen. Der Ort gehörte damals zum Hof Thommen. So ist zu vermuten, dass Weweler nach der Zeit der Christianisierung unseres Gebiets zwischen dem 6. und 9. Jh. bereits früh ein eigenständiges, von Thommen losgelöstes, Gotteshaus besessen hat. „Weweler war in dieser Zeit bedeutender als Reuland, wo sich erst eine Burg mit entsprechender Herrschaft etablierte und lediglich eine kleine Muttergotteskapelle bestand“, so Willy Wittrock. Im 12. Jahrhundert wuchsen das Ansehen und die Bedeutung der Herrschaftsfamilie von Reuland, sodass die gesamte Gegend dem Rittergeschlecht unterstellt wurde – bis auf Weweler, das kirchlich eigenständig blieb. Erst der Tod Dietrichs, dem „Löwen von Reuland“, während des Kreuzzuges im Jahre 1189 sorgte dafür, dass Reuland kirchlich an Bedeutung gewann. Fortan bestimmte der Herr von Reuland auf Geheiß der Abtei Stavelot-Malmedy den Pfarrer in Weweler. Aber auch nach dem Bau der Kirche in Reuland im 17. Jh. blieb Weweler eigenständige Pfarre, sodass die Toten aus Reuland nach wie vor hier bestattet wurden.

Höhen und Tiefen: Auf Einflussreichtum folgten Pest, Hunger und Krieg.

Das Dorf war im Mittelalter jedoch erheblich größer als heute. In den Kriegs- und Pestjahren des 17. Jahrhunderts wurde der Weiler schwer getroffen und seine Bevölkerung stark dezimiert: „Pest, Hungersnot und Krieg forderten schwere Opfer.“ Wer nicht starb, wanderte aus. 1672 hatte Weweler 1672 nach den Aufzeichnungen des Pfarrers Mathäus Breitfeld nur noch zwei bewohnte Häuser mit insgesamt 14 Bewohnern. Reuland überstand diese unruhige Zeit derweil unbeschadet. In Friedenszeiten mit wirtschaftlich moderatem Wohlstand schufen die Bewohner Wewelers eine Kirchenkapelle. Während ein Kirchenbau in Weweler seit dem 14. Jh. urkundlich belegt ist, deuten die Grundmauern jedoch auf eine viel frühere Entstehungsgeschichte hin. „Wir glauben, dass der Turm, der seinerzeit auch als Wachturm gedient haben könnte, im 10. bis 12. Jh. entstanden ist.“ Im Laufe der Zeit wurde das Gotteshaus stets erweitert und ausgebaut. In den 1980er Jahren wurde die Kirche aufwendig restauriert, wobei Sachverständige feststellten, dass das im Dachstuhl verbaute Holz im Winter des Jahres 1461-62 geschlagen wurde. Im 16. Jh. kam es dann zur letzten Erweiterung in Form eines zweiten Schiffes. „Unsere Kirche ist somit progressiv gebaut worden, daher auch die verschiedenen Stilepochen, die in Weweler von der Romanik über die Gotik bis hin zum Barock erkennbar sind.“ Zur Zeit der Französischen Revolution wurden zahlreiche Grabsteine des Friedhofes in Weweler geschändet. In diesen Jahren tauchten auch die beiden geistlichen Gebrüder Majeres im Haus Kolven unter, wurden jedoch entdeckt und auf die vor der französischen Atlantikküste gelegene Insel Ré verbannt, wo sie schließlich unter qualvollen Umständen starben. „Der ebenfalls auf der Insel Ré inhaftierte Pfarrer Schneiders aus Oudler brachte uns die Tagebücher dieser beiden Brüder mit, in denen der Leidensweg in Briefform bis ins Detail beschrieben ist. Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte die Kirche eine deutsche Funkstation, die 1945 von amerikanischen Jagdfliegern bombardiert wurde. Wie durch ein Wunder blieb die gesamte Kirche vom Bombenhagel verschont. „Gott hat unsere Kirche während all dieser Jahrhunderte stets beschützt“, so Willy Wittrock.

Junge Familien sorgen für frischen Wind in der Dorfgemeinschaft.

In den vergangenen Jahren hat sich Weweler zu einer dynamischen Ortschaft mit Zukunft gemausert. „Drohte Weweler vor Jahren noch auszusterben, konnten insgesamt 14 junge Familien ansiedeln. Das ist eine tolle Sache, denn während rund 20 Jahren hatten wir keine Geburten mehr. So wurden auch alte Traditionen neu belebt“, meint Peter Zeyen.

Allerdings erlitt die Dorfgemeinschaft durch zwei Einbrüche in der St.Hubertus-Kirche auch Rückschläge. So wurden 2005 und 2008 insgesamt zehn Barockstatuen aus der Kirche entwendet. Die entstandenen Lücken wurden durch Fotografien gefüllt. „Wir sind daher besonders glücklich, am Samstagabend mit dem hl. Hubertus eine neue Statue einzuweihen. Diese wurde durch die Erlöse der vergangenen Dorffeste möglich“, so Peter Zeyen vom Dorf- und Festkomitee. Besonders stolz sind die Weweler auf die noch immer vorhandene Eigenständigkeit ihrer Kirche: „Unsere Bewohner haben das Recht in unserer Kirche getauft, getraut und beerdigt zu werden. Das wird auch in Zukunft so bleiben“, erklärte Peter Zeyen. Messen finden derweil nur am 1., 2. und 3. November statt. Zurzeit wehen Banner aus dem Glockenturm der Kirche, die von den Gebrüdern Majeres gespendet wurden und den Besucher auf das anstehende Fest aufmerksam machen.

Theo Majeres (r.) und Fabrice Wangen beim Restaurieren der alten Friedhofskreuze

Willy Wittrock (r.) und Peter Zeyen präsentieren die alte römische Tonscheibe, die 1908 auf der Flur Leichenheldt ausgegraben wurde.

Die Totenkapelle

Die neue Totenkapelle in Weweler neben dem Freidhof wurde im Jahre 2003 eingewiehen.  
Jegliche Arbeiten wurden in Eigenregie von der Ortschaft Weweler errichtet.  Dieses Projekt konnte nur dank vieler freiwilliger Helfer und Spenden realisiert werden.  Kostenpunkt war +/25.000 €.

Anläßlich des Silberpriesterjubiläums von Pfarrer Willy Kessel widmete die Pfarrgemeinde Burg-Reuland ihm einen hölzernen Kreuzweg von Burg-Reuland in Richtung Weweler.

Horizontalsäge

(Bericht und Fotos von Gerd HENNEN - GRENZ-ECHO vom 08.06.2005)

Die Säge trägt das Baujahr 1910, wurde vom Vater von Fritz Oestges als Gebrauchtanlage gekauft und im Jahre 1939 in Weweler aufgestellt.  Die Maschine der Gebrüder Wehrhahn aus dem deutschen Delmenhorst trägt die Typennummer 36.  „Wir haben immer mit Wasser gearbeitet, so dass diese neue Maschine für meinen Vater bereits eine technologische Revolution darstellte, konnte man doch sehr präzise Schnitte anbringen“, so Fritz Oestges.  

Späte "Berufung"

Der jetzige Betreiber kam im 1967 eigentlich recht spät zur beruflichen Sägerei.  Ursprünglich fungierte der als Vereinsmensch allerorts bekannte 73Jährige als Sozialassistent in den Kohlebergwerken im Norden Lüttichs. „Dort betreute ich vorwiegend die zahlreichen deutschsprachigen Minenarbeiter.  Als nun 1965 der Zechenbetrieb eingestellt wurde, erhielt ich zunächst einen Posten bei der lokalen Kinderzulagenkasse; doch bereits kurze Zeit später hätte ich in die Landeshauptstadt umsiedeln müssen, wozu meine Familie und ich aber nicht bereit waren.  So kam ich zu meinen Eltern nach Weweler zurück und fand im kleinen Sägereibetrieb meines Vaters eine neue berufliche Perspektive“, erinnert sich Fritz Oestges. Speziell für den Holzerlebnistag renovierte Fritz Oestges seine Horizontalsäge, um den zahlreichen Besuchern die schwere und langwierige Sägearbeit vergangener Generationen zu veranschaulichen.  Seit über zehn Jahren funktionierte die Anlage nicht mehr. Das größte Problem bei der Instandsetzung stellte die Beschaffung der unabdingbaren Flachriemen dar.  Heutzutage werden vornehmlich Keilriemen eingesetzt, die ihrerseits aber über 10% weniger Antriebsleistung verfügen.  So musste der Sägereibetreiber auf „Nylonriemen am Stück“ zurückgreifen, die allerdings äußerst teuer sind.  „Ich habe mir jetzt so viel Arbeit angetan, dass ich beabsichtige, die Säge als Museumsstück in Schuss zu halten.  Die Resonnanz der zahlreichen Besucher, die am Holzerlebnistag zu mir kamen und mich mit Fragen durchlöcherten beweist, dass sich die Menschen für diese Handwerkernostalgie interessieren“, meint der ehemalige VV-Präsident Fritz Oestges. 
(Bericht und Fotos von Gerd HENNEN - GRENZ-ECHO vom 08.06.2005)


 

Tourismusförderung

Der Sägemeister war jedenfalls vom Erfolg seiner zwanglosen Ausstellung begeistert.  Viele Fachleute aus der ganzen Region, aber auch aus dem benachbarten Deutschland, Luxemburg und Frankreich waren erschienen, um die Anlage unter die Lupe zu nehmen.  „Besonders habe ich mich allerdings über das Interesse der hiesigen Bevölkerung gefreut.  Das Durchschnittsalter der Besucher reichte von drei bis neunzig Jahre, wobei ein 5Jähriger Technikfreak nicht locker ließ und mich über das kleinste Detail befragte“.  "Fritz Oestges bewertet die Holzerlebnistage jedenfalls als gelungene Aktion - "auch im Dienste der Tourismusförderung".

Meist zu wenig Wasser

Der Betrieb der historischen Horizontalsäge in Weweler ist nicht ganz einfach und heute im Grunde technisch total überlebt. Wichtigste Antriebsquelle ist das Wasser. »Beim Öffnen der Schleuse wird die Turbine in Gang gesetzt, die über verschiedene Übersetzungen die notwendige Umdrehung garantiert, durch die das eigentliche Sägeblatt in Betrieb gesetzt wird«, erläutert Fritz Oestges. Bei genügend Wasser, das der Betreiber aus der nahen Our abzweigt, erreicht die Turbine eine Nennleistung von bis zu 20 PS.

»Ich kann die Säge nach meinen Wünschen und Vorgaben frei regulieren. Bei geringem Wasserfluss säge ich langsamer und präziser, während bei voller Leistung die Holzspäne fliegen.«

Nur selten volle Kraft

Leider stellen die unregelmäßigen Wasserstände als »Energiequelle« für das Sägen mit Wasserkraft eine erhebliche Schwierigkeit und unbekannte Komponente dar. In diesem Jahr hätte Fritz Oestges beispielsweise bisher lediglich während drei Wochen mit voller Kraft sägen können. Mittels Flachriemen wird die Kraft der Turbine über Zahnräder direkt auf die in einer Holzführung eingebetteten Säge übertragen.

Mit dieser Methode kann Fritz Oestges Bäume mit einem Durchmesser von über einem Meter be- und verarbeiten. Das Sägeblatt seinerseits ist mit einer Gruppenzahnung versehen, so dass ein Verstopfen des Schnittes kaum möglich ist. Fritz Oestges kann sich noch recht gut an die Anfangsjahre in Weweler erinnern, in denen zwei Arbeiter beim Sägen alle Hände voll zu tun hatten.

Jüdische Industrielle

»Beim Rückblick kommen immer auch wieder schöne Geschichten und lustige Begebenheiten als Erinnerung zurück, meinte Fritz Oestges.
So traf der Sägemeister vor einigen Jahren Nachfahren der Herstellerfirma Wehrhahn aus Delmenhorst bei Dortmund und erfuhr dadurch auch die bewegte Geschichte dieser Industriellenfamilie.

»Die Liegenschaften der Wehrhahn, alle alteingesessene jüdische Industrielle, wurden im Jahre 1937 von Hitler und seinen Nazischergen beschlagnahmt. In der Fabrik wurden fortan Panzer für die Aufrüstung Deutschlands gebaut. Einzelne Familienmitglieder überlebten den Holocaust; so war die Ehefrau des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer eine geborene Wehrhahn«, weiß etwa Fritz Oestges.